Vier neue Werke sind auf dem Markt, die das zeitgenössische islamische Denken im politischen Feld thematisieren. Mit „Den Islam neu denken“ zeichnet die Islamwissenschafterin Katajun Amirpur den Weg von sechs DenkerInnen aus dem sogenannten liberalen Spektrum nach. Neben dem altbekannten und 2010 verstorbenen Nasr Hamid Abu Zaid, dessen Werk „Mohammed und die Zeichen Gottes“ aus 2008 nun in einer Neuauflage erschienen ist, werden bei diesem Werk im Gegensatz zu Benzines Abhandlung auch Frauen thematisiert.

Neben der durch ihre Freitagspredigt berühmt gewordenen Amina Wadud wird Asma Barlas protraitiert. Mit Abdolkarim Soroush, Mohammad Mojtahed Shabestari und Fazlur Rahman stehen bei Amirpur bekannte Personen im Rampenlicht, die auch Rachid Benzine in seinem Werk „Islam und Moderne. Die neuen Denker“ behandelt. Während Benzines im Wesentlichen theologische Fragestellungen berührt, wirft Amirpur dabei auch Fragen zu Gender auf.

Eine ausgewogene Darstellung zur Genese und Transformation des militanten sunnitischen Islamismus findet man bei Thomas Mosers „Politik auf dem Pfad Gottes“. Es ist eine ausgewogene Darstellung, die zwar einige wichtige Arbeiten in diesem Bereich unerwähnt lässt, aber nichts desto trotz sowohl begrifflich wie typologisch und historisch gut fundiert ist. Nach Banna, Maududi und Qutb werden weitere Entwicklungen in den dschihadistischen Bereich behandelt, von Azzam über bin Laden bis zu Zawahiri.

Rachid Benzine: Islam und Moderne. Die neuen Denker. 2012, VdWR

Thomas Moser: Politik auf dem Pfad Gottes. 2012, Innsbruck University Press

Nasr Hamid Abu Zaid: Der Koran und die Zukunft des Islam. 2011, Herder Spektrum

Katajun Amirpur: Den Islam deu denken. 2013, C.H. Beck