Hollywood schreibt die besten Geschichten. So heißt es. Und dann passiert es auch, dass Fiktion und Wahrheit zu einem filmischen Werk zusammengefügt werden. Der mehrfach Oscar-prämierten Film „Argo“ ist das jüngste Beispiel. Das Werk beleuchtet die Ereignisse rund um die Geiselnahme von US-Botschaftspersonal in Teheran 1979. Produzent und Hauptdarsteller Ben Affleck spielt einen CIA-Agenten, der auf eigenen Faust versucht, sechs aus der Botschaft geflohene Amerikaner zu retten. Während sie in der kanadischen Botschaft Unterschlupf finden und das Weiße Haus eine militärische Befreiungsaktion plant, bastelt Tony Mendez (Ben Affleck) mit Unterstützung aus Hollywood an einem fiktiven Filmprojekt. Er tarnt die sechs Amerikaner als kanadisches Filmteam, das in einem zweistündigen spannungsgeladenen Thriller um ihr Leben bangt.

Argo ist die Verfilmung des „Canadian Caper“ (Kanadischer Streich), einer Nebenoperation Kanadas und der CIA während der Geiselnahme von Teheran. Nach dem Putsch durch Ayatollah Khomeini und der verweigerte Auslieferung des Schahs durch die USA, stürmten zahlreiche Demonstranten die US-Botschaft und nahmen 52 Geisel. Kurz davor gelang sechs MitarbeiterInnen die Flucht. Der Film beginnt mit einer emotionalen Inszenierung der Demonstrationen, die die ZuseherInnen rasch fesselt. Innerhalb weniger Minuten fühlt man sich um 30 Jahre zurückversetzt, auch wenn die Kleidung und die Brillenmode zum Schmunzeln veranlassen. Die über zwei Stunden aufgebaute Spannung entlädt sich am Ende mit einem hochdramatischen Fluchtversuch am Teheraner Flughafen.

Diese Großartigkeit hat das Werk dem Verzicht auf unnötige Nebenstories zu verdanken. Affleck versteht es geschickt, den roten Faden hoch zu halten, aber auch eine kleine Portion Humor einzustreuen. Die in der englischen Tageszeitung „The Guardian“ von Rachel Shabi aufgebrachte Islamophobie-Diskussion ist hingegen schwer nachvollziehbar. Der Film zeigt die iranischen BürgerInnen hochemotional und anti-amerikanisch. Wer den historischen Kontext kennt, kann das damaligen Verhalten nicht leugnen. Auch wenn Shabi Recht hat, dass Hollywood patriotische Blockbuster produziert, die von zahlreichen Rassismen durchzogen sind, ist dies bei Argo nicht der Fall. Eine Schlüsselrolle trifft auf die Botschaftshaushälterin Zahra zu, die den kanadischen Plan gegen den iranischen Geheimdienst deckt und am Ende in den Irak flüchtet.

Argo ist ein spannungsgeladener Politthriller, der die Ereignisse von 1979 gekonnt in Szene setzt. Wer eine differenzierte Sichtweise erwartet, sollte den Film vermeiden.

(HS/KISMET Online)