Im Vergleich zur nationalen und internationalen Mobilisierung gegen Schwarz-Blau I, blieb ein größerer Aufschrei gegen die neue Regierung unter Sebastian Kurz (ÖVP) bislang aus. Die Beziehung auf europäischer Ebene läuft normal weiten, womöglich wegen Österreichs anstehenden EU-Ratsvorsitz im zweiten Halbjahr 2018.

Und doch regt sich jetzt Widerstand gegen „die Erben des Nazismus“, welche eine „Machtstellung in der neuen österreichischen Regierung“ erlangt hätten, wie es in einem aktuellen Boykott-Aufruf gegen die sechs von der FPÖ gestellten Minister heißt. In dem u.a. von hochkarätigen internationalen Politikern wie Bernard Kouchner unterschriebenen Statement heißt es weiter: Man sei gegen „das Schweigen und die Apathie“ und es müsse gegen den Machteinfluss der rechten Parteien Stellung bezogen werden. Zuvor hatte bereits der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, Kritik gegen die neue rechte Koalition geäußert.

Besonders scharfe Kritik kam von Israel. Tel Aviv werde auf diplomatischer Ebene keine Gespräche mit FPÖ-Ministern führen. Indes hatten bereits mehrere Vertreter der neuen österreichischen Koalition versucht, die ÖVP-FPÖ Koalition legitimieren. Martin Engelberg, ehemaliger Funktionär der Israelitischen Kultusgemeinde, ließ in der israelischen Zeitung Haaretz verheißen, dass der Antisemitismus nicht mehr von Nazis, sondern von MuslimInnen, ausginge. Aus Österreich folgten umgehend scharfe Reaktionen, die in Haaretz-Gastkommentaren Stellung bezogen.

Benjamin Guttmann (Jüdisch-Österreichische Hochschülerhaft), Oskar Deutsch (Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde) und Politikwissenschaftler Farid Hafez (Bridge Initiative Georgetown University) stellten sich klar gegen die FPÖ-Beteiligung.

Während die amtierende Bundesregierung versucht, Identität sowie antisemitische Handlungen der Vergangenheit in den eigenen Reihen klein zu reden und davon zu sprechen, die Regierung an ihren konkreten Handlungen zu messen, beginnt das rechtsextreme Lager mit ihren Verschwörungstheorien.

So wurde auf Unzensuriert.at, einem der wichtigsten News-Blogs im FPÖ-Umfeld erklärt, dass „ein internationales, linkes Netzwerk“, welches von dem Milliardär George Soros mitfinanziert werde, gegen die FPÖ mobilisiere. Hinter dem Boykott-Aufruf, so der rechte Blog, „stecken George-Soros-Stiftung und Islam-Lobby“.