Wann treffen wir uns auf einen Kaffee? Das hört man selbst von Leuten die keinen Kaffee trinken, sondern das schwarze Getränk als Anlass für einen Austausch nutzen. Kaffee ist ein Köder für die Seele, ein Ritual. Er wird mit Genuss oder Entspannung verbunden und erleichtert die Kommunikation. Eine Tasse kann der Beginn einer Freundschaft bedeuten oder diese bestätigen.

In Bosnien wird Kaffee oder Kahva ausgeschenkt, egal ob man ihn trinkt oder nicht. Das Wort Kahva, bei dem das H ausgesprochen wird, lässt den Atem stocken und fängt das flüchtige Aroma des Getränkes ein. Qahwa, ursprünglich ein arabisches Wort, haben die Bosniaken als Ganzes angenommen. In Bosnien wird Kahva eng mit Freundschaft und Nähe verbunden.

Eine Einladung zu einer Tasse schlägt nur jemand seinem Gegenüber vor, der ihm zugeneigt ist. So besagt ein altes Sprichwort, dass nie der Teufel, sondern nur ein Freund zum schwarzen Trank einlädt. In der heutigen Zeit vergleichbar mit einer Freundschaftsanfrage auf Facebook. Nimmt man die Einladung entgegen, so bestätigt man die Freundschaft, lehnt man sie ab, beschreibt dies das Verhältnis der jeweiligen Personen. Die bosnische Kaffeekultur stellt eine soziale Institution dar, die um die zwischenmenschlichen Beziehungen bemüht ist.

So wird bosnischer Kaffee gemacht

Wird der Kaffee serviert, so ist dies ein Zeichen: Lass uns reden, lass deine Einsamkeit nicht länger einsam sein, lass uns ein wenig dem Alltag entfliehen und uns eine schöne Zeit machen. Im Leben der Bosniaken hat der Kaffee eine unersetzbare Rolle eingenommen. Seit Jahrhunderten wurde die Kaffeekultur gepflegt, vom Mahlen, Rösten, Servieren und Trinken. Der gemahlene Kaffee wird in die zuvor erhitzte „dzezva“ hinzugefügt, mit kochendem Wasser übergossen und schließlich abgewartet, dass der schäumende Kaffee bis zur obersten Kante der Kannen ankommt. Hierbei wird großes Geschick gefordert, da der Kaffee nicht überkochen darf, sonst fehlt der Schaum und der Herd wird ruiniert. Man lässt den Kaffee kurz ziehen und füllt ihn anschließend in „fildzane“, kleine Mokkatassen.

Serviert wird bosnischer Kaffee mit Zucker und Milch, jedoch getrennt, da ihn die Menschen auf verschiedene Varianten trinken. An der Art wie der Kaffee ausgeschenkt wird, können die Gäste die Wertschätzung des Gastgebers erschließen. Wird der Kaffee stark zubereitet, unterstreicht der Gastgeber damit seine Zuneigung den Gästen gegenüber. Gerät der Kaffee „dünn“, so ist der Gastgeber zu seinen Gästen zurückhaltend und geizig. Diese kleinen Rituale und Regeln rund um das Nationalgetränk der Bosniaken ist ein integraler Bestandteil des bosnischen Brauchtums.

Adisa Begic