Lesenswertes aus der Redaktion

Jasser Auda: Einführung in die islamischen Rechtszwecke (Maqāsid al-Sarīca) (EB-Verlag, 2015)

Auda schafft es selbst einer mit der Materie der maqāsid nicht vertrauten Leserschaft einen profunden Einblick zu geben und den Inhalt leicht verständlich zu vermitteln. Nach einem Überblick über die historische Entwicklung des ausformulierten maqāsid-Denkens muslimischer Rechtsgelehrter, gewährt der Autor auch Einblicke in zeitgenössische Diskussionen, wie z. B. eine Formulierung der Menschenrechte auf Basis der maqāsid. Damit führt Auda nicht nur in die Materie ein, sondern gibt InteressentInnen, die nicht der arabischen Sprache mächtig sind die Möglichkeit, Einblicke in aktuelle Debatten zum muslimischen Rechtsdenken zu bekommen.


Anver M Emon, Mark S Ellis und Benjamin Glahn (Hrsg.): Islamic Law and International Human Rights Law: Searching for a Common Ground? (Oxford University Press, 2015)

Dieser spannende Sammelband stellt komparative Vergleiche zwischen islamischem und internationalem Recht in mehreren Bereichen an. Die einzelnen Beiträge widmen sich u.a. der Frage, ob es in den beiden Rechtsbereichen Überschneidungen oder Konflikte gäbe, andere Kontributionen diskutieren Bereiche wie Meinungs- und Religionsfreiheit, Minderheitenrecht etc. Dadurch dass das Werk zahlreiche Themen behandelt, gibt es einen ausgezeichneten Überblick zu aktuellen Debatten sowohl im internationalen wie auch im islamischen Recht.


Muhammet Said Duran: Zur Theorie einer teleologischen Methode in der islamischen Normenlehre (EB-Verlag, 2015)

In diesem Buch gibt Duran fundierte Einblicke in die maqāsid as-sharia, indem er anfangs die fiqh-Wissenschaft und ihre Methodologie behandelt wie auch der Frage nachgeht, ob fiqh korrekterweise als „islamisches Recht“ verstanden werden kann. Nach einer Abhandlung zur historischen Entwicklung der Formulierung des maqāsid-Denkens widmet er sich im Detail Abu Ishāq as-Shatibis (gest. 1388) Beitrag zur islamischen Normenlehre. Das Werk ist äußerst spannend und aufschlussreich und bietet neben den erwähnten Thematiken auch Diskussionen zu Teleologie und Moralität in der Scharia, gesellschaftliche Veränderungen und Konsequenzen daraus für die Formulierung des Rechts, u.v.m.


Alain Badiou – Wider den globalen Kapitalismus

Alain Badiou fokussiert sich, auf die Widersprüche unseres Denkens und Handels. Er stellt die Frage ob der Feind wirklich der wahre Feind ist, oder wessen Feind er eigentlich ist. Badiou schafft es sehr treffend, die Verunsicherungen in der westlichen Welt durch terroristische Attentate aus einem anderen Blick heraus zu betrachten. So plädiert Alain Badiou dafür, bei Maßnahmen gegen den Terror Maß zu halten, nicht in nationales Getümmel zu verfallen (d.h. die Identität als Nation in den Vordergrund zu rücken) sowie vor allem bedacht zu reagieren.


Paul M. Zulehner – Entängsitg euch!

Kaum eine Frage spaltet die europäischen Gesellschaften mehr als die Frage nach dem Umgang mit den „Flüchtlingen“. Auf Basis einer online gestützten Umfrage (3000 Personen) analysiert Zulehner die Ängste der Menschen und gibt ihnen damit eine Stimme und nimmt sie ernst.
Zulehner bringt nicht nur die realen Ängste beim Thema Flüchtlinge zur Sprache sondern er zeigt auch Wege aus der Angst auf.


Peter R. Neumann – Die neuen Dschihadisten

‚Die neuen Dschihadisten‘ von Peter R. Neumann objektive Analyse im Bezug auf die Bedrohung durch den jihadistischen Terrorismus. Klar und präzise ausgedruckt, bietet dieses Buch einen Einblick in die Thematik. Es nimmt Abstand von jeglicher Dramatisierung, denn die objektiv feststellbare Ernsthaftigkeit der Bedrohung spricht ohnehin für sich.


Peter Sloterdijk – Was geschah im 20. Jahrhundert?

Sloterdijk schreibt eine spannende, anspruchsvolle Lektüre, die vor allem in der aktuellen angespannten Situation, alte Denkmuster anlysiert. Er gibt Denkanstöße und ein übergeordnetes Verständnis zur Politik und zur weiteren Entwicklung der Menschheit.


Nicolas Henin – der IS und die Fehler des Westens

Nicolas Hénin hat viele Jahre als Journalist aus den Kriegsgebieten berichtet, bevor er entführt wurde. Durch beide Perspektiven gelingt ihm ein besonderer Blick. Seine Eindrücke überzeugen ihn, dass internationale Truppen in Syrien das Problem nicht lösen werden. Und dass die westliche Politik bei der Analyse des IS der Religion zu viel Gewicht beimisst, der kriminellen Energie der Jihadisten und ihren Rachegefühle gegenüber einer als ungerecht empfunden Welt, zu wenig.


Siegfried Lenz – Der Überläufer

Siegfried Lenz hat in seiner Jugend während des Kriegsgeschehens die Sinnlosigkeit erkannt, dass unschuldige Soldaten und wieder unschuldige Soldaten im Krieg sind. Lenz hat schon damals weise erkannt, dass für eine ganze Generation junger Menschen die Lebensblumen erloschen worden sind. Wie viele Menschen hätten damals mit 25 die seelischgeistige Reife gehabt diese Sinnlosigkeit zu erkennen und in einem Satz beschreiben zu können, wofür das ganze deutsche Volk 50 Jahre gebraucht hat: „Der alte Mann mit Lebenserfahrung zielte auf einen Orden und erschoss einen russischen Soldaten und er zielte damit auf alle sinnlosen Kriegsorden, mit denen tapfere „Helden“ zu allen Zeiten und in allen Ländern geehrt wurden. Kein Orden kann Leben schenken oder den einzigartigen Wert eines Menschen ersetzen. Und der junge Soldat, der noch Sinn, Gefühl und Blick für die Natur und das Leben hat, für Schönheit und Ästhetik, zielt auf eine Blume, Sinnbild für Leben und die Fülle der Natur.“


Heinz Strunk – Der goldene Handschuh

Heinz Strunk erzählt in „Der goldene Handschuh“ die Geschichte gleich mehrerer Verlierer. Strunk beschreibt Existenzen am Rande des Abgrunds, die von einem Schlamassel in den anderen geraten. Es wäre zu einfach, den beschriebenen Personen entgegenzuhalten: „Selbst schuld“. Wie sie in den Strudel der Sucht und Abhängigkeit geraten sind, lässt einen nicht kalt. Letzten Endes bleibt aber Ratlosigkeit zurück.


Johannes C. Bockenheimer – Chuzpe, Anarchie und koschere Muslime

„Chuzpe, Anarchie und koschere Muslime – Meine Versuche, Israel zu verstehen“, es ist nicht einfach nur ein Sachbuch. Der Autor Johannes C. Bockenheimer hat sich mit unzähligen Menschen in Israel getroffen. Er hat sie befragt, er hat recherchiert. Er hat mit Politikern, Rabbis, Schriftstellern, Managern und sogar mit Pornostars über ihr Land gesprochen. Dabei heraus gekommen ist ein Buch, das komplett anders ist als die Bücher, die bisher über Israel und seine Menschen erschienenen Bücher.


Ilker Atac, Michael Fanizadeh, VIDC – Türkei Kontinutäten, Veränderungen, Tabus

Seit dem Ende der Friedensverhandlungen mit der kurdischen PKK im Sommer 2015 ist eine Polarisierung der Politik und der Gesellschaft in der Türkei feststellbar. Dieses Buch verschafft einen Einblick und ist inspiriert gleichzeitig sich mehr mit diesen Themen zu beschäftigen.


Martin Luther – Von den Juden und ihren Lügen

Die Herausgabe dieses in verständliches Deutsch übertragenen Textes, die das Denken Luthers besonders verständlich wiedergibt, kann m.E. nicht hoch genug eingeschätzt werden. Der Öffentlichkeit wird ein Mann vorgeführt in seinem eigentlich schlichten Denken, mit zwar imponierenden Bibelkenntnissen, die von ihm aber so naiv gedeutet und als geschichtliche Wahrheiten genommen werden, wie das kaum ein heutiger Theologe noch tun würde. Insofern erlebt man als Leser bei der Lektüre die Diskrepanz zwischen seiner bis heute anhaltenden Wertschätzung und seiner tatsächlichen Einstellung und Gesinnung. Liest man seine sich immer wiederholenden Tiraden gegen »die« oder »den« Juden, dann kann man sich gut vorstellen, wie er heute gegen andere Religionen oder Humanisten oder gar erklärte Atheisten hetzen würde.


Sahra Wagenknecht – Reichtum ohne Gier

Mit „Reichtum ohne Gier ‚ wie wir uns vor dem Kapitalismus“ retten legt Sahra Wagenknecht nach „Freiheit statt Kapitalismus“ und „Wahnsinn mit Methode“ ihr mittlerweile drittes Wirtschaftsbuch vor, das aktuell im Buchhandel erschienen ist. In ihrem Buch zeigt sie grundsätzliche Probleme und Deformationen unserer aktuellen Wirtschaftsordnung so wie Lösungsansätze klar und verständlich auf.


Alvin E. Roth – Wer kriegt was und warum?

Alvin E. Roth, ehem. Wirtschaftsprofessor, erläutert in seinem Buch „Wer kriegt was und warum?“ , wie ein geldloser Markt mit unteilbaren Gütern funktioniert. Anhand vieler Beispiele werden Auswahlverfahren erläutert, die auf einer „doppelten Übereinstimmung“ basieren, davon, wie man durch Parameter und Logarithmen bestmögliche Verbindungen findet, zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Zum Abschluß werden verbotene oder abstoßende Märkte beleuchtet ( z.B. Organhandel) und ergründet, warum diese Möglichkeiten so eingeschätzt werden.


Norbert Häring – Die Abschaffung des Bargelds und die Folgen

Seine griffige Beschreibung der Funktionsweise des Geld- und Finanzsystems ermöglicht es, auch ohne Vorkenntnisse die positiven Wirkungen der Verfügbarkeit von Bargeld zu verstehen und die Gefahren, die der Gesellschaft als Ganzes und jedem einzelnen bei einem Bargeldverbot drohen, zu erkennen.


Noah Sow – Deutschland Schwarz Weiß

Noah Sow spricht mit ihrem Buch ein wichtiges Thema an: den latenten, allgegenwärtigen Rassismus in Deutschland. Dabei geht es ihr nicht nur um rassistisch motivierte Gewalttaten gegen Ausländer oder Deutsche mit dunkler Hautfarbe, sondern vor allem auch um die kleinen Dinge des Alltags, um den alltäglichen Umgang, der ihr von weißen Deutschen widerfährt. Gerade angesichts der vielen vermeintlichen Kleinigkeiten ist das ein wichtiges und richtiges Buch.


Volker Perthes – Das Ende des Nahen Ostens

Volker Perthes Buch ist eine kompakte und kompetente Bestandsaufnahme bezüglich Ursachen, Akteuren, Symptomen und Auswirkungen zu den massiven Umwälzungen in der Konfliktregion des Nahen und Mittleren Ostens. Dieser Essay besticht durch eine enorme Faktendichte, notwendiger Hintergrundinformationen zur Erfassung der komplexen Gesamtthematik sowie durch eine präzise, differenzierte und schlüssige Analyse und Argumentation.

Georg Renöckel – Wien abseits der Pfade Band 2

Das Buch zeigt viele interessante Dinge von Wien, die in keinem der sonstigen Führer erwähnt werden. Mit Hilfe dieses Buches entdeckt man neue Facetten der Stadt. Dieser Reiseführer ist aber eher gedacht für Besucher, die die allzu bekannten Sehenswürdigkeiten von Wien schon kennen und etwas Neues entdecken wollen. Unbedingt empfehlenswert.


Steven Lee Myers – Putin der neue Zar

Dieses Buch bietet einen guten Einblick in Putins Politik. Der Autor beschäftigte sich mich vielem Material und analysierte unveröffentlichte Aussagen. Mayers Buch ist ein seriöser und zuverlässiger Blickwinkel.


Diese umfangreiche wie bedachtsame Biografie, in der das leidvolle Leben des Autors in allen Facetten betrachtet wird, ist fesselnd und nicht von der Hand zu legen. Von den Jugendjahren Bernhards, die durch mütterliche Ablehnung und einen tyrannischen Großvater geprägt sind, bis zu den späteren Jahren, in denen sich Krankheiten, Selbstmordversuche, verschiedene Karriereversuche, Verschwendungssucht und Erfolg abwechseln. Bewundernswert wie genau Mittermayer die Vielzahl an Quellen auswertet,
Manfred Mittermayer: Thomas Bernhard Eine Biografie Residenz Verlag, Salzburg 2015


Die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch, sammelte systematisch die Geschichte der Rotarmistinnen arbeitete sie auf. Sie suchte sie auf und protokollierte ihre Erinnerungen. Mehr als 400 „Beichten“ zeichnete sie auf und machte daraus ein Buch vom Krieg, wie er wirklich war: „Wir sind mit Mythen groß geworden. Die Gesellschaft wurde mit Idealen terrorisiert. Unsere Helden sind kalt und irreal. Man muss die künstliche Haut vom wirklichen Leben abziehen“, schreibt Alexijewitsch.
Swetlana Alexijewitsch: Der Krieg hat kein weibliches Gesicht, Hanser Berlin


Für all jene, die den Fundamentalismus in seinen Ausprägungen genauer verstehen wollen, ist dieses Buch eine große Stütze. Armstrong spürt den Ursprüngen im evangelischen Christentum, Islam und Judentum bis in fünfzehnte Jahrhundert zurück. Wobei der zweite Teil des Buches faszinierender ist, indem vergleichend die Entwicklung der jeweiligen fundamentalistischen Anschauungen dargestellt wird. Diskussionen werden verständlicher. Allerdings fällt die Voreingenommenheit der Autorin sehr deutlich auf.
Karen Armstrong: Die Geschichte von Gott, Droemer Verlag


Die vermutlich größte Krise der Nachkriegszeit: Der Flüchtlingsstrom und der islamistische Terrorismus stürzen den Kontinent. Mit Nächstenliebe und Toleranz werden wir diese nicht überwinden. Toleranz und Nächstenliebe sind ein Symptom des globalen Kapitalismus und des daraus resultierenden neuen Klassenkampfs, daher werden sie uns nicht helfen. Wer ganze Weltregionen und Bevölkerungsgruppen von Wohlstand und sozialer Teilhabe ausschließt, braucht sich nicht wundern, wenn dadurch Gesellschaften auseinanderbrechen und Menschen zu religiös-ideologischen Extremisten werden oder in unser Land streben. Wir haben kein Recht, die Welt in Teilhaber und Ausgeschlossene aufzuteilen.
Slavoj Žižek: Der neue Klassenkampf: Die wahren Gründe für Flucht und Terror, Ullstein


Mit 18 und frisch verheiratet wird die Jesidin Jinan von Kämpfern des IS verschleppt, von ihrer Familie getrennt und als Sklavin an zwei Dschihadisten, verkauft. Sie wird zur Konversion gezwungen. Sie erlebt, wie andere und zum Teil minderjährige Mädchen vergewaltigt und schwer verletzt werden. Doch die Frauen haben Glück: Nach drei Monaten gelingt es ihnen, Schlüssel zum Haus zu stehlen und zu fliehen. Jinan findet sogar ihren Mann Walid wieder, von dem sie inzwischen ein Kind erwartet. In diesem Buch erzählt Jinan fesselnd und berührend von ihrem Martyrium in der Gewalt von Männern, die behaupten, für Gott zu kämpfen.
Jinan, Thierry Oberlé: Ich war Sklavin des IS: Wie ich von Dschihadisten entführt wurde und den Albtraum meiner Gefangenschaft überlebte, mvgVerlag


Mithilfe von Interviews und persönlichen Gesprächen untersucht Abu Rumman Selbstbild und Lebenswirklichkeit junger Salafisten im Nahen Osten: Wer sind sie? Welche Wege führten sie zum Salafismus und welche wieder von ihm weg? Der Salafismus stellt eine Reaktion auf die politischen, ökonomischen und sozialen Bedingungen dar, unter denen die arabischen Gesellschaften seit mehreren Generationen leben müssen. Auch deshalb scheint er vielen Menschen eine Antwort auf die Frage nach der eigenen Identität zu geben.
Mohammad Abu Rumman, Günther Orth: Ich bin Salafist: Selbstbild und Identität radikaler Muslime im Nahen Osten, Dietz


 

Im Jahre 2011 schien in der arabischen Welt eine neue, demokratische Zeit anzubrechen. Durch den ägyptischen Aufstand gegen Mubarak auf dem Tahrir-Platz setzte ein starkes Zeichen. Heute sitzen viele der damaligen Aktivisten im Gefängnis, alte und neue Diktatoren sind an der Macht, Millionen Menschen fliehen vor Bürgerkrieg, Hoffnungslosigkeit. Die Autorin hat Aktivisten der Revolution, Islamisten, Politiker und ganz normale Menschen in der Region über Jahre begleitet und befragt. Dadurch gelingt ihr eine informative Beschreibung der Ereignisse, die zum Scheitern der hoffnungsvollen Anfänge führten.
Julia Gerlach: Der verpasste Frühling – Woran die Arabellion gescheitert ist, Ch. Links Verlag


 

Eigentlich ist es kein Lesetipp. Aber es wird sicherlich in die Kategorie der islamfeindlichen Bestseller eingehen. Hamed Abdel-Samads ‚Mohamed. Eine Abrechnung‘ wurde bereits von Daniel Bax (http://www.spiegel.de/kultur/literatur/mohamed-von-hamed-abdel-samad-die-angst-vor-dem-islam-a-1055047.html) und (http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-12/hamed-abdel-samad-islam-islamismus-kritik-debatte) heftig kritisiert. Es bleibt, dass auch dieses Werk von Abdel-Samad zum Bestseller hochstilisiert wurde, die Einladungspolitik für den Autor sprach und ein weiterer Haus- und Hof-Muslim zu Ruhm und Anerkennung gefunden haben.

Hamed Abdel-Samad, Mohamed. Eine Abrechnung, Droemer Verlag, 2015


 

Es kommt selten vor, dass ein Mensch kurz vor seinem Ableben eine Biographie veröffentlicht. Der schwedische Schriftsteller und Theaterregisseur Henning Mankell, der im deutschsprachigen Raum vor allem durch seine Krimi-Reihe mit Kommissar Kurt Wallander Bekanntheit erlangte, tut dies in dem Bestseller „Treibsand. Was es heißt, ein Mensch zu sein“. Es ist ein vielschichtiges Wer. Ein Buch über Politik, von Palästina bis zum südafrikanischen Apartheid. Aber auch eines über Leben und Tod, seine ureigensten Ängste und Wünsche.

Henning Mankell. Treibsand. Was es heißt, ein Mensch zu sein, Zsolnay Verlag, 2015


 

Ilija Trojanow beschreibt in seinem neuen Roman „Macht und Widerstand“ die lebenslange Feindschaft des Stasi-Offiziers Metodi Popow und des antikommunistischen Widerstandskämpfers Konstantin Scheitanow. An dem Konflikt zwischen diesen beiden Personen arbeitet er symbolisch die tiefe Zerrissenheit der postkommunistischen bulgarischen Gesellschaft auf. Literarisch äußerst anspruchsvoll geschildert.

Ilja Trojanow: „Macht und Widerstand“ RomanS. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2015


 

2015 wäre Malcolm X 90 Jahre alt geworden. Sein Todestag jährt sich zum 50. Mal. Der österreichische Politologe und Amerika-Kenner Farid Hafez präsentiert dazu eine kurze Biographie für junge Menschen, wie er im Vorwort schreibt. „Malcolm X. Das Leben eines Revolutionärs“ bildet die wichtigsten Stationen des Lebens einer vielschichtigen Person ab. Hafez, der ein profunder Kenner der USA der Nation of Islam ist, zeigt das Leben eines wichtigen Menschen auf, der auch heute noch viel zu sagen hat.

Farid Hafez, Malcolm X. Das Leben eines Revolutionärs, Alhamra Verlag, 2015


 

Es handelt sich im deutschsprachigen Raum sicherlich um eine der wichtigsten religiösen Kräfte. Das türkische Religionsministerium unterstützt in Deutschland über DITIB und in Österreich über ATIB lokale Moscheevereine. Damit wird oftmals unterstellt, diese seien ein verlängerter Art für transstaatliche Integrationspolitik. Sachlich und nüchtern setzt sich die Soziologin Theresa Beilschmidt in ihrer Studie mit der Frage auseinander, was es für Mitglieder der DITIB bedeutet, den Islam zu leben. Mithilfe von Feldforschung und Interviews zeigt sie auf, wie die Ausübung subjektiver Alltagsreligion im Vordergrund steht. Ein wichtiger Beitrag zur politischen Diskussion, der Anklang finden sollte in der Islamdebatte.

Theresa Beilschmidt. Gelebter Islam. Eine empirische Studie zu DITIB-Moscheegemeinden in Deutschland, Transcript Verlag, 2015.


 

Henning Melber gilt als einer der profundesten Kenner Namibias. In seinem neuen Buch „Namibia: Grenzen nachkolonialer Emanzipation“ setzt er sich kritisch mit den postkolonialen Strukturen Namibias, das eng mit Deutschland in Verbindung steht, auseinander. Er diskutiert darin die Politik der SWAPO als Befreiungsbewegung ebenso wie die Entwicklung der Präsidialdemokratie, um vor allem auf die Frage nach sozialer wirtschaftlicher und Gerechtigkeit einzugehen. Ein nicht zu vernachlässigendes Grundlagewerk für politische Landeskunde.

Henning Melber, Namibia: Grenzen nachkolonialer Emanzipation, Brandes und Apsel, 2015


 

In „Soft Force: Women in Egypt’s Islamic Awakening“ untersucht Ellen Anne McLarney die Rolle von Frauen in der Bewegung, die zum Sturz Hosni Mubaraks im September 2011 geführt hat. Darin analysiert sie die Beiträge von Frauen als Akademikerinnen, Predigerinnen, Journalistinnen, Kritikerinnen, Aktivistinnen und Denkerinnen, die das Bild der Revolution maßgeblich geprägt hatten. Diese Untersuchung verändert auch unseren Blick auf die Rolle von Frauen in einer Revolution, die von muslimischen Aktivistinnen ebenso wie von Musliminnen außerhalb des islamistischen Spektrums geführt wurde.

Ellen Anne McLarney, Soft Force: Women in Egypt’s Islamic Awakening, Princeton University Press, 2015


 

Der Doyen der österreichischen Politikwissenschaft, wie Anton Pelinka genannt wird, präsentiert in seinem neuen Buch „Israel. Ausnahme- oder Normalstaat“ eine nicht nur politologische, sondern auch historisch-psychologische Arbeit. Israel, so Pelinka, sei ein Produkt des europäischen Antisemitismus, der bei den Juden ein Nationalgefühl und den Wunsch nach einem eigenen Staat provozierte. Der Autor argumentiert, dass der Konnex mit dem Holocaust für Israel ambivalente Konsequenzen hat.

Anton Pelinka, Israel, Braumüller Verlag, 2015


 

In „Basiswissen Judentum“ präsentieren der Rabbiner Andreas Nachama der Rabbiner Walter Homolka  und der Journalist Hartmut Bomhoff auf 400 Seiten in die historischen, theologischen, und religionspraktischen Grundlagen des Judentums ein. Es ist ein verständlich geschriebenes und zugleich umfassendes Lehrbuch der jüdischen Religion. Es erklärt die bleibende Botschaft des Judentums und stellt die jüdischen Feste und Gebräuche vor. Aus liberaler Perspektive geschrieben knüpft es an die große Tradition des deutschen Judentums an und begleitet das neue Leben der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland.

Nachama, Andreas/Homolka, Walter/Bomhoff, Hartmut. Basiswissen Judentum, Herder Verlag, 1. Auflage: 2012.


 

Kurz vor der Neuveröffentlichung von Hitlers ‚Mein Kampf‘ mag es besonders bedeutsam sein, das Leben dieses Menschen nochmal detailreich aufzubereiten. Peter Longerich schafft es dabei, dem Persönlichkeitsprofil Hitlers einige für das Verständnis seines Handelns hilfreiche Facetten hinzuzufügen, auch wenn seine grundsätzliche These, dass es sich beim Dritten Reich um eine Führerdiktatur, und nicht nur um eine „charismatischen Herrschaft“ handelte, an und für sich nicht neu ist.

Peter Longerich, Hitler. Die Biografie, Siedler Verlag, München 2015


 

Seine Werke sind imstande, Regale zu füllen. Die Schriften des nach wie vor eingekerkerten schwarzen Menschenrechtsaktivisten Mumia Abu-Jamal wurde von Johanna Fernandez in einer neuen Zusammenschau herausgegeben. Von Reagan bis Ferguson handeln die Essays, die in diesem Band einen Einblick in das jahrzehntelange Nachdenken über die Welt aus dem Gefängnis geschrieben wurden.

Mumia Abu-Jamal, Writing On The Wall, edited by Johanna Fernandez, 2015


 

In “Islam and the European Empires” bringt David Motadel 15 führende DenkerInnen zusammen, um auf die bisher umfassendste Art und Weise die Geschichte der Berührungen zwischen dem Islam und den großen Imperien Europas zu beleuchten. Ein unverzichtbares Werk.

David Motadel (ed). Islam and the European Empires, Oxford University Press, 2014


In „Der Dschihadist. Terror mane in Germany – Bericht aus einer dunklen Unterwelt“ erzählt der junge Irfan Peci, geboren 1989, wie er – hineingeboren in eine weltlich orientierte Familie – erst zum religiösen Eiferer und dann zum Extremisten wurde, der sich nach dem Krieg sehnte. Nachdem Peci verhaftet wurde, wurde er vom Verfassungsschutz angeworben und stellte sich in dessen Dienste. „Der Dschihadist“ erzählt die Geschichte dieses Mannes, der für die Globale Medienfront, den Medienableger der Al-Qaida, der von dem österreichischen Kinderzimmer-Dschihadisten Mohammed Mahmoud geführt wurde, tätig war. Interessant zu lesen, wie ein junger und an Lebenserfahrung wenig armer sich einem riskanten Spiel zwischen radikalen Kräften und Sicherheitsbehörden hingibt.

Irfan Peci, Der Dschihadist, Henye Verlag, 2015


 

Noam Chomsky und Ilan Pappé zeigen in ihrem gemeinsamen Buch “On Palestine” (Über Palästina) auf, welche Wege es geben kann, um die palästinensische Bevölkerung und im Speziellen Gaza einen Weg nach vorne zu zeigen. Zwei bekannte Größen, die sich stets für die Unabhängigkeit und Freiheit der Palästinenser ausgepsrochen haben, kommen hier zu Wort.

Noam Chomsky & Ilan Pappé, On Palestine, Penguuin Books, 2015


 

Der bekannte linke Intellektuelle Tariq Ali bespricht in seinem Buch „The Extreme Right. A Warning“ die Krise der westlichen Demokratien. Wahlen hätten seit den 1980er Jahren ihm zufolge nichts gebracht, als der extremen Mitte zu fördern, die den Markt regieren lässt. Ali kritisiert aber nicht nur die Regierungen in Nordamerika, Europa und Australien, sondern schlägt auch Alternativen vor, um gehbare Wege aus dieser Krise aufzuzeigen, die dem Volk das recht wiedergeben, das ihnen von den mächtigen Eliten aus den Händen gerissen wurde. Er diskutiert anhand von Bolivien, Schottland und Griechenland, welche Möglichkeiten es aus der Krise der Demokratie gibt.

Tariq Ali, The Extreme Right. A Warning, Verso 2015


 

Die Politikwissenschafterin Isabell Lorey analysiert in ihrem neuen Buch „State of Insecurity. Government and the Precarious“, wie das Prekariat als Technologie der Macht eingesetzt wird, um nicht nur Kapital zu akkumulieren, sondern auch soziale Kontrolle auszuüben. Sie zeigt auf, dass der Zustand des Prekariats nicht nur ein vorübergehender ist, sondern eine neue Form der Regulation darstellt, die unsere Zeit besonders beschreibt. Produktivität, so Lorey, würde erst das Selbst erschaffen, indem zwischen persönlichem und professionellem Leben unterschieden wird. Gleichzeitig zeigt die Autorin in ihrem Buch auf, wie diesem Zustand organisiert und einzeln etwas Widerstand geleistet werden kann.

Isabell Lorey, State of Insecurity. Government and the Precarious, Verso, 2015


 

In siebter überarbeiteter Auflage ist der Bestseller nun schon erschienen. Volker Seitz, der 17 Jahre lang als deutscher Diplomat in Afrika tätig war, präsentiert in seinem Essay „Afrika wird arm regiert oder Wie man Afrika wirklich helfen kann“ eine radikale Analyse der derzeitigen Entwicklungspolitik. Volker Seitz’ Buch gibt einen aktuellen Überblick über die Lage in Afrika. Erst wenn es gelinge, die strukturellen Voraussetzungen für den Aufbau funktionsfähiger afrikanischer Volkswirtschaften zu schaffen, würde sich der Kontinent wirtschaftlich und politisch ändern können, so der Autor. Erst so könnte Afrika von seinem wirtschaftlichen und kulturellen Reichtum profitieren. Sein Buch ist eine Kritik an der derzeitigen Entwicklungshilfe und der Einschätzung der westlichen Politik gegenüber derzeitiger Praxis.

Volker Seitz, Afrika wird arm regiert oder Wie man Afrika wirklich helfen kann, dtv


 

Der Spiegel-Bestseller von Adriana Altaras gibt ein vielstimmiges und faszinierendes Bild darüber ab, was es heißen kann, in einer jüdischen Familie in Deutschland aufzuwachsen; Identitätskämpfe, Religionsdebatten, unkonventionelle Gedanken. Ein einfühlsamer erzählter Familienroman, der über das Private hinausgeht und anspricht, welche Bruchlinien sich heute in verschiedenen Gesellschaften auftun.

Adriana Altaras, Doitscha. Eine jüdische Mutter packt aus, Kiepenhauer und Wietsch


 

Der sogenannte Dschihadismus ist zum Schrecken europäischer Regierungen avanciert. Entsprechend viele AutorInnen versuchen damit auch Kleingeld zu machen. Die Literatur am „Islamischen Staat“ und dem Projekt des „Dschihadismus“ floriert nur so. Die Religionspädagogin und Lehrerin Lamya Kaddor erzählt in ihrem Essay „Zum Töten bereit. Warum deutsche Jugendliche in den Dschihad ziehen“, warum es junge Menschen, die in Deutschland aufgewachsen sind, zum Projekt „Islamischer Staat“ zieht. Sie erzählt von einer Generation, die auf der Suche nach Anerkennung und Akzeptanz diesen Weg eingeschlagen hat. Dabei hat sie selbst einige ihrer ehemaligen Schüler auf diesem Weg verloren. In ihrem Essay erklärt sie, was dagegen gemacht werden muss, um diesen Trend zu stoppen.

Jürgen Todenhöfer ist es als ersten westlichen Journalisten ermöglicht worden, die Terrormiliz „Islamischer Staat“ zu besuchen. In „Inside IS. 10 Tage im <Islamischen Staat>“ erzählt er über seine Erfahrungen, ergründet die Ursachen der Entstehung dieser Terrororganisation und schlägt eine alternative Antiterrorpolitik vor. Hingegen versucht Benham T. Said eher eine geopolitische Landkarte zu zeichnen und zu analysieren, welche Rolle die einzelnen Gruppen in diesem Krieg spielen. Anders ist das Werk Bruno Schirras, in welchem dieser einen doch eher reißerischen Titel präsentiert. Jean-Pierre Filiu & Cyrille Pomes bieten in ihrem Comic “Der Arabische Frühling” auf eine andere Art und Weise einen Einblick in die verstrickten Zusammenhänge von Aufbruch und Militär.

Jean-Pierre Filiu & Cyrille Pomes, Der Arabische Frühling, Graphic Novel Carlsen

Lamya Kaddor, Zum Töten bereit. Warum deutsche Jugendliche in den Dschihad ziehen, Piper

Jürgen Todenhöfer, Inside IS. 10 Tage im ‚Islamischen Staat‘, C. Bertelsmann

Bruno Schirra, ISIS. Der globale Dschihad. Wi der ‚Islamische Staat‘ den Terror nach Europa trägt, Econ

Benham T. Said, Islamischer Staat. IS-Miliz, al-Qaida und die deutschen Brigaden, C.H. Beck


 

Wie teure Marken undmenschlich produziert werden ist erzählt in „Todschick. Edle Labels, billige Mode – unmenschlich produziert“ die entwicklungspolitische Expertin Gisela Burckhardt. Wer bewusst leben will und auf seine Mitmenschen auf diesem Planeten Erden Acht geben will, sollte dieses Buch gelesen haben. Denn jeder Baustein zählt. Der berühmte ehemalige UNO-Sonderberichterstatter und Kritiker Jean Ziegler liefert hierfür eine Analyse aus globaler Perspektive. In „Ändere die Welt“ erklärt er, welche verschiedenen Formen sozialen Widerstandes es im Kampf gegen Ausbeutung, Gewalt und Kapitalismus geben kann. Sein Buch ist das intellektuelle Rüstzeug für diesen Widerstand.

Gisela Burckhardt, Todschick. Edle Labels, billige Mode – unmenschlich produziert, HEYNE

Jean Ziegler, Ändere die Welt, C. Bertelsmann


 

Ein Jahr der Erinnerungen: Zum 110. Geburtstag erhält Kardinal König eine Biographie von Thomas J. Nagy, zum 90. Geburtstag Bischof Reinhold Stecher eine Biographie von Martin Kolozs. Thomas Nagy bietet eine Zusammenschau zum Wirken vom Kardinal König, einem Mann, der seiner Zeit voraus war. Aus über 50 Gesprächen sowie einer umfassenden Recherche bildet sich ein Dokument, das das Nachwirken seiner Handlungen zeichnet. Die Biographie über den weniger bekannten Tiroler Kirchenpolitiker bietet Martin Kolozs. Er beschreibt das erste Mal das Leben des Bischofs Reinhold Stecher, der vor zwei Jahren die Welt verlassen hat. In dieser Biographie bietet er einen Blick auf das Wirken und Schaffen des „Volksbischofs“, nicht nur seines theologischen Wirkens im Sinne des zweiten Vatikanums, sondern beleuchtet auch seine schwere Kindheit und die Verfolgung während der NS-Zeit.

Thomas J. Nagy: König Kaiser Kardinal. Auf den Spuren von Kardinal Franz König, Styria Verlag.

Martin Kolozs: Bischof Reinhikd Stecher. Leben und Werk, Styria Verlag.


 

Dieses Jahr jährt sich der Todestag des berühmten schwarzen Bürgerrechtskämpfers Malcolm X zum 50 Mal. 90 Jahre wäre er jetzt alt geworden. Passend dazu sind  zwei neue Werke entstanden. Einmal von der Amerikanistin Britta Waldschmidr-Nelson, die bereits zuvor schon ein Buch zum Vergleich von Malcolm X und Martin Luther King präsentierte. Ein weiteres Buch ist jenes des Politikwissenschafters Farid Hafez. Während ersteres eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Geschichte des Malcolm X bietet und sein Wirken auf 370 Seiten zeithistorisch einbettet, hat Farid Hafez‘ Werk den Anspruch, jungen Leserinnen und Lesern auf knappen 99 Seiten eine erste Einführung in sein Leben und Wirken zu geben.

Britta Waldschmidr-Nelson, Malcolm X. Eine Biographie, C.H. Beck

Farid Hafez, Mein Name ist Malcolm X. Das Leben eines Revolutionärs, Alhamra Verlag


 

Der CIA-Folterreport, der offizielle Bericht des US-Senats zum Internierungs- und Verhörprogramm der CIA, hat zu großen Debatten geführt. Wolfgang Neskovic hat den Bericht in deutscher Sprache herausgebracht und fordert: Das Folterverbot hat absolut zu gelten. Ohne Wenn und Aber. In einem Anhang werden zentrale Herausforderungen für die Demokratie wie gezielte Tötungen thematisiert. Hierzu passt das Guantanamo-Tagebuch des Mohamedou Ould Slahi. Er war einer der hauptverdächtigen von 9/11. Obwohl später ein Gericht seine Freilassung angeordnet hatte, ist er bis heute inhaftiert. In seinem Tagebuch erzählt er über Schlafentzug, Dauerlärm, Todesdrohung und unvorstellbare Foltermethoden. Zwei akademische Aufarbeitungen sind unverzichtbar in der Auseinandersetzung mit diesem Themenkomplex. Wolfgang Kriegers „Geschichte der Geheimdienste“ bieten eine globalhistorische Übersicht über die Kultur des Geheimdienstes von den Pharaonen bis zum CIA. Er gilt als einer versiertesten Wissenschafter auf diesem Gebiet. Gerhard Donhauser legt in „Angst und Schrecken. Beobachtungen auf dem Weg vom Ausnahmezustand zum Polizeistaat in Europa und den USA“ eine Analyse der Wirkung des Kampfes gegen den Terror vor und zeigt, wie im Zuge dessen Grund- und Freiheitsrechte eingeschränkt wurden. Donhauser versucht in seiner Arbeit, Wege aufzuzeigen, gegen den Terrorwahn anzudenken. Eine chronologische Aufarbeitung von Operationen des CIA bietet der Journalist Armin Wertz in seinem Buch „Die Weltbeherrscher. Militärische und geheimdienstliche Operationen der USA“.

Gerhard Donhauser, Angst und Schrecken. Beobachtungen auf dem Weg vom Ausnahmezustand zum Polizeistaat in Europa und den USA, NAP

Wolfgang Krieger, Geschichte der Geheimdienste, C.H. Beck

Wolfgang Neskovic (Hg.), Der CIA-Folterreport. Der offizielle Bericht des US-Senats zum Internierungs- und Verhörprogramm der CIA, Westend

Mohamedou Ould Slahi, Das Guantanamo Tagebuch, Tropen

Armin Wertz, Die Weltbeherrscher. Militärische und geheimdienstliche Operationen der USA, Westend

Thomas Köhler, Vernetzt, verwanzt, verloren. Die unglaublichen Methoden der Wirtschaftsspionage, Westend


 

Nach zwei Standardwerken, die einen voluminösen Überblick über die deutsche Demokratie und die deutsche Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert gaben, legt der Historiker Heinrich August Winkler nun eine „Geschichte des Westens“ vor. Auf 680 Seiten wird die Geschichte des Westens von 1991 bis heute dargestellt. Dabei nimmt der Autor Winkler eine globalgeschichtliche Perspektive ein, indem er diese Geschichte des Westens im Zusammenhang mit wichtigen Ereignissen auf dem Globus verbindet, von Russland über den IS bis Afrika. In diesem Zusammenhang ist das Plädoyer Helmut Kohls, „Aus Sorge um Europa“, zu lesen, das den subjektiven Blick eines erfahrenen Staatsmannes widergibt.

Heinrich August Winkler, Geschichte des Westens. Die Zeit der Gegenwart, C.H. Beck

Helmut Kohl, Aus Sorge um Europa. Ein Appell, Droemer Verlag


 

Mit „Amartya Sen zur Einführung“ gibt der Philosoph Christian Neuhäuser auf 170 Seiten einen kurzen Überblick über eine wichtige intellektuelle Stimme unserer Zeit, den Wirtschaftswissenschafter und Philosophen Amartya Sen. Der Mann, der über 90 Ehrendoktorate verliehen bekommen hat, wird in diesem Einführungsbuch auf seinen Begriff der Freiheit hin untersucht. Dementsprechend unterteilt sich dieses Einführungswerk in vier Teilbereiche, die Rationalität, Entwicklung, Gerechtigkeit und Identität im Zusammenhang mit Freiheit untersuchen.

Christian Neuhäuser, Amartya Sen zur Einführung, Junius Verlag.


 

In seinem Buch “A Century of Genocide. Utopias of Race and Nation” gibt der Historiker Eric D. Weitz einen Überblick über die Genozide des 20. Jahrhunderts. Dabei studiert er die Fälle des realsozialistischen Imperiums unter Lenin und Stalin, die Armenier, das Nazi-Regime und schließt nach einer Abhandlung über Kambodscha mit dem Bosnien-Genozid ab. Koloniale Projekte außerhalb des Westens werden nicht analysiert.

Eric D. Weitz, A Century of Genocide. Utopias of Race and Nation, Princeton University Press


 

Esra Özyürek von der London School of Economis analyiert in ihrem neues Buch “Being German Becoming Muslim. Race, Religion, and Conversion in the New Europe”, was es bedeutet, in Zeiten wie diesen in Deutschland den Islam anzunehmen. Ihr Buch handelt davon, wie diese Konvertiten ihre neu gefundene Liebe zum Islam mit den Abneigungen, die in Deutschland gegenüber dem Islam zu Tage kommt, verbunden wird. Sie zeigt die unterschiedlichen Motive und Strategien auf, wie Deutsch-Sein und MuslimIn-Sein ausverhandelt wird.

Esra Özyürek, Being German Becoming Muslim. Race, Religion, and Conversion in the New Europe, Princeton University Press


 

Zwei Biographien bedeutsamer Persönlichkeiten des politischen Lebens sind erschienene. Einmal zeichnet Gerald MacLean das Leben des ehemaligen Präsidenten der Türkei, Abdullah Gül, nach. In  “Abdullah Gül and the Making of the New Turkey” gibt er den bisher besten Überblick in das Leben eines der beiden wichtigsten politischen Figuren der derzeitigen Türkei. Der ehemalige Verteidigungsminister und Ali Allawi präsentiert mit seinem mehr als 600 Seiten umfassenden Werk „Faisal of Iraq“ eine Biographie des hierzulande wenig bekannten Gründers des modernen Irak und wichtigen Politiker in den geopolitischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten.

Ali A. Allawi, Faisal of Iraq, Yale University Press

Gerald MacLean, Abdullah Gül and the Making of the New Turkey, Oneworld Book


 

Die Historikerin Sally Howell widerspricht mit ihrem Buch “Old Islam in Detroit. Rediscovering the Muslim American Past” einem gängigen Sterotyp US-amerikanischer Wahrnehmung, die davon ausgeht, dass Muslime erst mit der Immigration nach 1945 in Amerika Fuß fassten. Sie zeigt anhand der Stadt Detroit auf, dass es bereits vor mehr als 100 Jahren tausende Muslime in Detroit gab, die sich aus Menschen aus dem Balkan, Dem Osmanischen Reich und den afro-amerikanischen Gemeinschaften zusammengesetzt hatten. In diesem Werk zeigt sie die Spannungen und Diskussionen auf, die unter diesen Gemeinschaften herrschten, erklärt gleichzeitig, wie amerikanisch der Islam in Amerika wurde und wie schwer die neu immigrierten Muslime in Detroit es hatten, die alteingesessenen Muslime zu verstehen.

Sally Howell, Old Islam in Detroit. Rediscovering the Muslim American Past, Oxford University Press


 

Die versierte Islamwissenschafterin Gudrun Krämer bietet erstmals einen ausgewogenen Überblick über die Geschichte Palästinas. Das Buch behandelt die Geschichte vom Beginn der Osmanischen Herrschaft bis zur Gründung des Staates Israels und zieht damit den Schleier der religiösen Deutung des Konfliktes, der heute vorherrschend ist, um zu zeigen, was tatsächlich hinter dem Konflikt steht.

Gudrun Krämer, Geschichte Palästinas, C. H. Beck