Auf den Spuren des Propheten
Das ist das Ergebnis einer europäischen Erzählung des Lebens des letzten Propheten des Islams – Muhammad. Tariq Ramadan, einer der bedeutendsten zeitgenössischen Figuren im europäischen Islamdiskurs, erzählt auf 280 Seiten die Lebensgeschichte einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Welt.
Für MuslimInnen nimmt die Biographie des Propheten Muhammad als Vorbild für die Menschheit eine besonders bedeutsame Rolle ein. Ramadan versucht dabei nicht, eine neue Erzählung, sondern begibt sich auf die Suche nach jenen spirituellen und gesellschaftlichen Orientierungen, die aus dem Handeln dieser historischen Figur gewonnen werden können, die ganz besonders bedeutsam für unser Leben hier und heute sein könnten. Es werden direkte Lehren aus dem Leben gezogen. Das Buch ist anders gesprochen auch eine Anleitung zum guten Verhalten.
Ein besonderer Blick
Die Biographie von Ramadan zeichnet sich durch dieses Einfühlen in die alltägliche Spiritualität im Leben Muhammads aus. Die Kapitel sind kurz und prägnant gehalten, leicht und in einem schönen Lesefluss lesbar. Er verliert sich nicht wie in klassischen Prophetenbiographien über Muhammad in historischen Detailerzählungen, sondern versucht sich auf wesentliche Inhalte zu konzentrieren.
Für den europäischen Kontext besonders wertvoll scheint der Blick auf das Verhältnis zwischen MuslimInnen und der christlichen und jüdischen Gemeinschaft. Das ist sicherlich auch das ganz Spezielle an dieser Muhammad-Erzählung. Die multikulturelle Gesellschaft zur Zeit Muhammads als besonderes Augenmerk und die vielfältigen Beziehungen, die es zwischen der muslimischen und anderen Gemeinschaften gab, herauszustreichen, um daraus Normen abzuleiten, ist ein ganz besonders Verdienst von Ramadan.
Tariq Ramadan: Auf den Spuren des Propheten. 2009. Diederichs Verlag.
Autor: Ferdinand Lughofer