"Wir zeigen ein unverfälschtes Bild"
In Deutschland entstand vor wenigen Wochen das muslimisches Jugendmagazin "muslim - the next generation". KISMET bat die Herausgeberin Yasmina Abd el Kader zum Interview und befragte sie über die Entstehungsgeschichte, Ziele und Wünsche der Medieninitiative.
KISMET: Frau Abd el Kader, wie kamen Sie auf die Idee ein Jugendmagazin für MuslimInnen (muslim-generation.de/) herauszugeben?
Yasmina Abd el Kader: Die eigentliche Idee zu diesem Projekt kam mir im Mai letzten Jahres. Auf dem Jahresmeeting der MJD (Muslimische Jugend Deutschland), als ich u.a. einem Vortrag vom Islamwissenschaftler Reinhard Baumgarten über den "Umgang mit dem Islam in den Medien" lauschen durfte. Es war für mich wirklich unfassbar, wie viel über uns als Muslime debattiert wird und wie wenig wir, die Muslime selbst, bei diesen Debatten wirklich vertreten sind.
Vor allem die muslimische Jugend steht im Fokus der Medienhaie, die uns zum Teil ein Image aufzudrücken versuchen, dem wir absolut nicht entsprechen, und vor allem, nicht entsprechen wollen! Aber mal ehrlich, was tun wir schon außer uns darüber aufzuregen? Ja, sicher entspricht vieles nicht den Tatsachen, aber was unternehmen wir wirklich, um die Menschen vom Gegenteil zu überzeugen? Genau aus dieser Frage heraus ist dieses Projekt entstanden. Durch die Plattform "MyUmma" habe ich Geschwister gefunden, die sich ebenfalls diese Frage gestellt haben und gemeinsam etwas auf die Beine stellen wollten. Mit Erfolg, alhamdulillah.
KISMET: Welche Schwierigkeiten haben sich für Sie und Ihr Team bei der Entwicklung und Umsetzung der Idee ergeben?
Abd el Kader: Dadurch, dass unsere Gruppe größtenteils aus Schülern und Studenten besteht, war die größte Schwierigkeit, mit der wir uns konfrontiert sahen, eigentlich der Faktor Zeit. Neben Schule, Beruf und Studium haben wir Themen gewählt, Interviews geführt, Artikel verfasst und die Ergebnisse miteinander besprochen.
Dabei darf man nicht vergessen, dass das Team der "Muslim"-Zeitschrift nicht nur ein bunter Kulturmix ist, sondern auch querbeet in Deutschland verteilt wohnt. Nicht immer so einfach, denn es war uns lediglich möglich online zu kommunizieren. Und auch wenn sich dieses Projekt noch in den Kinderschuhen befindet, so sind wir alle frohen Mutes und hoffen, dass dieser Ausgabe noch viele weitere folgen werden, Insha Allah.
KISMET: Erscheint "muslim – the next generation" nur digital oder soll auch bald eine Printkopie folgen?
Abd el Kader: Dass die erste Ausgabe nun online erschienen ist, hat unter anderem den Grund, dass wir uns erst gar nicht sicher waren, wie unsere Artikel überhaupt bei der muslimischen Jugend ankommen würden. Sollte die Nachfrage bei den Lesern groß genug sein, werden wir Insha Allah versuchen die nächste Ausgabe in Druck zu geben. Je mehr Rückmeldung wir erhalten, desto besser. Das Finanzierungsproblem hoffen wir durch Sponsoren lösen zu können.
KISMET: An wen richtet sich das Magazin? Wie wollen Sie ihre Zielgruppe erreichen?
Abd el Kader: Unsere Artikel richten sich vor allem an die deutschsprachigen muslimischen Jugendlichen in Europa. Die Zielgruppe befindet sich vor allem im Alter von 16 bis 30. Das Magazin selbst ist aber nicht nur ein Muss für muslimische Leser, sondern auch für jene, die sich ein unverfälschtes Bild von der muslimischen Jugend machen wollen. Um es salopp auszudrücken: Wir zeigen denen mal, wie wir ticken. Dabei bieten wir den Lesern im Grunde nur das an, was uns selbst an der Gesellschaft und am Alltag interessiert und beantworten damit auch die Fragen, die wir uns selbst stellen und gestellt haben.
KISMET: Wo sehen Sie das Magazin in fünf Jahren?
Abd el Kader: Allein in dem halben Jahr, in dem unsere erste Ausgabe entstand, habe ich gemerkt, dass jeder von uns an dieser Aufgabe gewachsen ist. Und so, wie wir an den Aufgaben wachsen, wünsche ich mir auch für unser Projekt, dass wir nicht nur weitere interessante Themen bieten, sondern auch eine breitere Masse mit unseren Artikeln erreichen können, Insha Allah.
KISMET: "Muslim- The Next Generation" behandelt auch zahlreiche kritische Themen wie Umweltschutz und eine gesunde Ernährung. Wie wichtig ist Ihnen eine kritische Auseinandersetzung mit der muslimischen bzw. nicht-muslimischen Gesellschaft?
Abd el Kader: Natürlich, um sich ein objektives und faires Bild der Lage machen zu können ist Kritik, vor allem aber auch Selbstkritik, sehr wichtig. Umwelt beispielsweise ist nicht nur ein Thema, das die europäische Gesellschaft beschäftigen sollte, sondern auch uns, die Muslime. Wir sollten aufhören uns von gesellschaftsrelevanten Themen zu distanzieren, wenn sie gerade mal nicht unsere Rechte als Muslime angreifen. Im Gegenteil, die Muslime stehen geradezu in der Pflicht sich für ihre Umwelt einzusetzen und so als positives Vorbild zu fungieren. Es wird Zeit, dass auch wir Muslime einmal über den Tellerrand schauen und anfangen uns zu engagieren.
KISMET: Abschließend bitte noch ein persönlicher Wunsch für die Zukunft…
Abd el Kader: Ich denke ich spreche für die ganze Gruppe, wenn ich sage, dass unser größter Wunsch für die Zukunft ist der Umma, der muslimischen Gemeinschaft, mit diesem Projekt ein Sprachrohr zur bieten. Wir möchten täglichen Vorurteilen aktiv entgegenwirken und der Jugend helfen den richtigen Umgang damit zu finden. Dabei ist wichtig voneinander zu lernen und ich wünsche mir, dass wir mit diesem Magazin einen Weg finden unsere Stimmen zu bündeln und der Welt zu zeigen, aus welchem Holz wir wirklich gemacht sind!
KISMET: Vielen Dank für das Interview!
(red)
| 27.02.2010 | E-Mail an die Redaktion |
Kommentare
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