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Das Kamel auf dem Dach


"Das Kamel auf dem Dach" – das Buch, dessen Titel etwas Mystisches an sich hat, weckt die Neugier der LeserInnen und lädt verführerisch ein, das Buch aufzuschlagen und zu lesen, ohne zu viel zu verraten.

Der Untertitel des Buches "Weisheiten und Ratschläge eines modernen Derwischs" sagt ein bisschen mehr und steigert das Interesse. Ein Derwisch auf der Suche nach Wahrheit, nach Gott, nach dem Sinn des Lebens – versucht in der komplizierten Welt von heute sich selbst zu finden, den Reizen des vergänglichen Lebens auf der Erde und den Trieben seines eigenes Egos zu widerstehen.

Auf dieser Suche stoßt er an eine alte monotheistische Weisheitslehre, die ihn fasziniert und die er als seine eigene Lebensphilosophie akzeptiert – den Sufismus. Der Sufismus als eine aus tiefster Überzeugung praktizierte Lehre über die Beziehung des Menschen zum einen Gott, prägt den Derwisch zutiefst in allen Lebenslagen und verhilft ihm als solche sein Leben zu meistern und das wahre Glück zu finden.

Was bedeutet Sufismus?


Der Autor des Buches, Burhanuddin Hermann, ein deutscher Konvertit, schreibt hier in einer leichtverständlichen Sprache über seine eigenen Erfahrungen als praktizierenden Sufi. In vielen Metaphern und mit einer Portion Humor beschreibt er seinen Lebensweg. Das ganze Buch ist vom Gedanken geprägt, dass der Autor eigentlich ein breites, westlich orientiertes Publikum ansprechen möchte, weil er selbst aus dieser Kultur stammt und sich mit diesen Menschen sehr gut identifizieren kann.

Fragwürdig erscheint, dass der Autor den Sufismus eigenartig erlebt und verstanden hat, weil er, einerseits, den Sufismus nur interpretiert ohne sich sehr auf Belege zu konzentrieren, und andererseits, auch auf andere Weisheitslehren Bezug nimmt, wie den Buddhismus.

Fragwürdige Darstellung


Durch Leichtigkeit seiner Ausdrucksweise könnte der Autor sein Ziel, die LeserInnen für den Sufismus zu begeistern, zwar erreichen - das bestätigt aber nicht den wissenschaftlichen Wert dieses Werkes. Immer wieder werden pseudoreligiöse Argumente benutzt, um die Sicht des Autors zu untermauern.

So stellt sich die Frage, ob der Autor mit seinem Versuch den Sufismus darzustellen erfolgreich ist. Immer wieder entfernt er sich von den Wurzeln dieser Denkrichtung und deswegen es womöglich nicht schafft, in den Herzen der LeserInnen für seine Lebensweise Begeisterung zu wecken.

Herrmann, Burhanudinn: Das Kamel auf dem Dach; S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main, 2006

(red)

 

03.03.2010 | E-Mail an die Redaktion

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