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Feindbild Christentum im Islam


In unserer Zeit, in der häufig über das "Feindbild Islam" diskutiert und geschrieben wird, findet Ursula Spuler-Stegemann, die Autorin des Buches "Feindbild Christentum im Islam", dass nun die Zeit gekommen sei, in der das Christentum aus der islamischen Sicht ins "richtige Licht" gerückt werden sollte.

Denn es gäbe ein "Ungleichgewicht" im Dialog zwischen ChristInnen und MuslimInnen, da die ChristInnen zu wenig Wissen über die "wahre Einstellung" des Islams gegenüber dem Christentum hätten.

Dieses Buch soll diese Wissenslücke mit den Berichten und Erzählungen von Islamwissenschaftlern, Fachleuten und sogar einem zum Christentum konvertierten Muslim füllen. Es will einen wissenschaftlichen Eindruck machen, obwohl es im Wesentlichen seinen Erwartungen nicht entspricht.

Der Schwierigkeitsgrad ist trotz dem Anspruch auf Wissenschaftlichkeit eher einfach gehalten. Es wurde von mehreren AutorInnen verfasst, deren Beiträge grundsätzlich als islamophob einzuschätzen sind.

Wo bleibt die Wissenschaftlichkeit?


Die Autorin verspricht zu Beginn des Buches, in der Buchbeschreibung, dass "Fragen gestellt, wichtige Informationen geliefert und Perspektiven aufgezeigt" werden. Außerdem gäbe das Buch "einander widerstreitende Standpunkte wieder" und soll "ganz gewiss nicht gegen 'den Islam' oder gegen 'die Muslime' Stimmung machen".

Wenn man nun die genannten Punkte mit dem Inhalt des Buches gegenüber stellt, kommt man zu einem erstaunlichen Ergebnis. Tatsächlich werden Fragen gestellt, die auch in der Einführung sehr konkret aufgelistet werden und LeserInnen bekommen auch im gesamten Buch genau passende Antworten, aber sie sind alles andere als sachlich.

Die erwähnten "wichtigen Informationen" sind nicht wissenschaftlich, sondern sind hier und da aufgeschnappte Informationen, die als "wissenschaftlich", "sachlich" und als "Fakten" von "Islamwissenschaftlern" wie Tilman Nagel und anderen durch ihren "renommierten" Namen und – auf dem ersten Blick – mittels fachkundigen Methoden verfassten Texten geschickt verkleidet werden. Dabei sind die Informationen sowie die Antworten auf die genannten Fragen von der persönlichen "Sympathie" der AutorInnen zum Islam gänzlich geprägt. "Perspektiven" werden gewiss auch geliefert, aber jene, die zeigen, wie man Islamophobie wissenschaftlich begründen kann.

Fragwürdige  Darstellung


Die Wiedergabe "einander widerstreitender Standpunkte" ist, wie alle anderen genannten Punkte, auch im Buch zu finden, wobei in den erwähnten Standpunkten nicht das Christentum und der Islam gegenüberstehen, sondern Nicht-MuslimInnen und MuslimInnen. Ferner sollte der Titel des Buches eigentlich "Feindbild Christentum der gegenwärtigen Muslime" heißen. Denn das Buch verurteilt im Wesentlichen die Handlungen und Gesetzte der meisten MuslimInnen und muslimischer Länder der Gegenwart, die ohnehin nicht islamkonform sind. Etwa die Hälfte des Buches analysiert und bewertet die Gesetzgebungen und Handlungen im Bezug auf ChristInnen in Ländern wie Ägypten, Saudi-Arabien, Iran und der Türkei, die als "islamisch" betrachtet werden. Wobei das beste herangezogene Beispiel unter diesen die laizistische Türkei ist.

Die Herkunft der Fehlannahme, dass der Islam mit den MuslimInnen gleichgesetzt wird, kann man aus folgendem Zitat erkennen: "Religion ist kein isoliertes Phänomen, das ohne Anhänger Bestand haben könnte. Eine Religion ist letztlich nichts anderes als das, was ihre Anhänger aus ihr machen." Natürlich stimmt die Äußerung, dass eine Religion ohne ihre Anhänger nicht existieren kann. Hauptaugenmerk soll aber eher der zweite Satz sein. Wenn man sich nun die Quellenangaben genauer betrachtet, erkennen islam-wissenschaftlich unkenntliche LeserInnen, dass sehr viele fragwürdige Quellen genannt werden.

Beispielsweise zieht Tilman Nagel, der Autor des ersten Kapitels, u.a. sein eigenes Buch als Quelle heran, was selbstverständlich für kritische LeserInnen ein Problem darstellt. Aber da er als "renommierter" Islamwissenschaftler gilt, lässt wahrscheinlich die Masse der LeserInnen das mit gutem Gewissen durchgehen.

Ein weiteres Problem ist die unwissenschaftliche Arbeitsweise der AutorInnen, die durchgängig im gesamten Buch auftreten. Sie kennzeichnet sich durch die Annahme von groben Fakten, die durch die persönlichen Interpretationen der VerfasserInnen beschrieben und bewertet werden.

Geeignet für...


Beispielsweise wird an einer Stelle das historische Ereignis der Bekämpfung und Vertreibung der jüdischen Stämme in Medina zu Beginn der islamischen Geschichte erwähnt. Ohne Frage ist das eine Tatsache, doch auf Seite 41 wird der Grund für diese Tat folgendermaßen beschrieben:

"Der Glaube an die Beeinflussung von Dämonen und Geistern durch gesprochene Fluch- oder Ruhmworte war in der animistischen geprägten altarabischen Religion fest verwurzelt. Und so mag es für Muhammad und seine Anhänger eine althergebrachte Reaktion gewesen sein, auf die Verspottung und Verfluchung durch die Juden mit Gegenmaßnahmen zu reagieren."

Eine Quellenangabe für diese Behauptung ist natürlich nicht angegeben, da sie höchstwahrscheinlich "aus dem Bauch heraus" geschrieben wurde. Ironischerweise nennt die Autorin des jeweiligen Kapitels, Christine Schirrmacher, ebenfalls Islamwissenschaftlerin, u.a. das Buch "Das Leben des Propheten" von Ibn Ishaq als Quelle – natürlich für eine andere Information – worin die Gründe für diese Tat exakt beschrieben werden.

Ein Buch, in dem hauptsächlich persönliche antiislamische Perspektiven, Gedanken und Interpretationen die Hauptquellen darstellen, kann man ganz gewiss nicht als "brisantes Sachbuch" oder eine Sammlung von "Perspektiven aus Wissenschaft und Religion" nennen. Dieses Buch soll "die Basis für ein realistisches Gespräch" zwischen den beiden Religionen liefern. Die Frage ist nur, wie ein Dialog entstehen soll, wenn christliche GesprächspartnerInnen durch falsche Informationen islamophob eingestellt werden.

Fazit: "Feindbild Christentum im Islam" - eine "nette" Lektüre für eine antiislamisch geneigte LeserInnenschaft.

SPULER-STEGEMANN, Ursula (Hg.): Feindbild Christentum im Islam. Eine Bestandsaufnahme. Verlag Herder GmbH. Freiburg im Breisgau. 2009

(mte)

 

13.03.2010 | E-Mail an die Redaktion

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