"Ich liebe meinen Propheten"
Mit diesem Liebesbekenntnis hat vor drei Jahren alles begonnen. Melih Kesmen startete das Modelabel "styleislam" und freut sich seitdem über einen steilen Weg nach oben. KISMET bat den jungen Deutschen zum Gespräch.
Hallo Hr. Kesmen, wie hat eigentlich alles begonnen? Wie kam styleislam dorthin, wo es heute steht?
Melih Kesmen: Die Idee zu Styleislam entwickelte sich durch die umstrittenen Muhammad Karikaturen aus Dänemark. Ich habe es nicht verstanden, wie man unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit so weit gehen konnte, eine Religionsgemeinschaft mit 1.5 Milliarden Muslimen so zu beleidigen. Andererseits war ich natürlich über die völlig unislamischen Reaktionen der Muslime genervt und konnte das verbrennen von Flaggen und Botschaften einfach nicht verstehen. Da dachte ich mir, was ist dein Statement?
Ich definiere meinen Glauben in erster Linie durch die Liebe zu Gott und all seinen Propheten. Also dachte ich mir, dass "I LOVE MY PROPHET" eine klares, positives wie auch kreatives Statement war. Ich lebte zu der Zeit in London. Ich habe mir das Shirt angezogen und bin durch die Straßen von London gelaufen. Als mich innerhalb eines Tages ein dutzend Leute auf das Shirt angesprochen haben, wurde mir klar, dass ich mit meiner Stellung nicht alleine war. Von diesem Moment bis zur Entwicklung des Online-Shops vergingen knapp 2 Jahre. Im Ramadan 2007 gingen wir dann mit knapp 25 Designs Online.
Wie groß ist ihr Team? Denken Sie daran, weiter zu expandieren?
Kesmen: Unser Team im Head-Office besteht aus sieben Köpfen. Darunter befinden sich drei Auszubildende. Wegen der Expansion lassen wir es einfach mal auf uns zukommen.
Sie produzieren seit einiger Zeit TV-Spots in der Türkei. Wie stark sind die Reaktionen?
Kesmen: Ich denke, dass die Werbespots besonders am Anfang dazu beigetragen haben ins Gespräch zu kommen. Sie dienten eher zur Etablierung des Images und haben eigentlich auch sehr gut funktioniert!
Kann man auch bald auf Pro Sieben, RTL oder MTV einen Spot sehen?
Kesmen: Zwar kein Werbespot aber bald schon als positive Schlagzeile inschaAllah. Der Medienrummel um Styleislam hat seit beginn des Jahres enorm zugenommen. Von Al-Jazeera über New York Times wurden sehr positive Artikel und Beiträge über Styleislam veröffentlicht.
Was sind die Kernmärkte von styleislam? Warum wurde bislang in Österreich noch keine Werbetrommel gerührt?
Kesmen: Wir sind nach wie vor sehr stark in unserem Kernmarkt Deutschland. Natürlich verkaufen wir auch nach Österreich, jedoch haben wir lokal noch keinen passenden Partner in Österreich gefunden. Lokale Werbung planen wir in der Regel mit unseren Vertretern in den entsprechenden Partner-Ländern.
Was steckt eigentlich hinter der Aktion "3 gegen Style"? Wie sind Sie auf die Idee gekommen?
Kesmen: Zu unserer Aktion "3 gegen Style" kann ich leider noch nicht viel verraten. Nur soviel, das wir bereits einen ganzen Haufen an Teppichen erhalten haben. Die Community freut sich über die Möglichkeit drei ihrer alten Teppiche gegen eine stylische Wandbildserie einzutauschen. Im Juni werden wir inschaAllah das Ergebnis dieser Aktion präsentieren.
Malcolm X starb vor genau 45 Jahren. Plant styleislam ein eigenes Sujet?
Kesmen: Eigentlich haben wir es nicht geplant. Die Idee finde ich aber super...
Wie sehen Sie die Zukunft des "muslimischen Lifestyle" in Deutschland. Was gibt es bereits, was fehlt noch?
Kesmen: Der muslimische Lifestyle steckt meiner Meinung noch in den Kinderschuhen. Er muss sich noch entwickeln und Form annehmen. Denn erst wenn die junge muslimische Community in Europa eine klare Identität definiert hat, wird diese sich automatisch auf das Visuelle auswirken. Es gibt einige interessante Projekte die sich momentan entwickeln. Dazu gehört z.B eine junge muslimische Architektin aus Dortmund, die in den kommenden Wochen Ihre erste Lampenkollektion mit kufischen Kalligraphien veröffentlichen wird.
Zum Abschluss bitte noch einen Wunsch für die Zukunft…. ?
Kesmen: Ich hoffe, dass wir mit unserer Arbeit ein Stück zur Stärkung der muslimischen Identität und zum Abbau von blinden Vorurteilen gegenüber den Islam beitragen können.
Vielen Dank für das Gespräch!
Mehr Infos:
http://www.styleislam.com
Das Interview führte Karim Saad.