Kopf der Woche: Aygül Özkan
Es ist und bleibt trotz all dem medialen Wirbel um Kopftuch und Kruzifixe in Schulen ein historisches Ereignis. Erstmals zieht eine Muslimin in Deutschland als Ministerin in eine Regierung ein. Özkan steht seit kurzem in Niedersachen dem umfangreichen Ressort für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration vor.
Österreich hat das Islam-Gesetz von 1912. Deutschland hat 2010 seine erste muslimische Ministerin. Was hierzulande derzeit kaum vorstellbar ist, hat Aygül Özkan mit ihrer politischen Karriere im oftmals aufgrund seines Umgangs mit dem Islam kritisierten Nachbarstaat bereits erreicht.
Die 1971 in Hamburg geborene Tochter türkischer Eltern fand den Weg in die Politik jedoch erst spät. Nach ihrer Matura studierte Özkan Rechtswissenschaften und begann 1998 als Rechtsanwältin am Landgericht Hamburg. Ihren beruflichen Weg setzte sie in der Telekommunikationsbranche fort, wo sie noch heute tätig ist.
Erst 2004 trat sie der CDU bei und verdankte dem damaligen Hamburger Parteichef Dirk Fischer einen sicheren Listenplatz bei den Kommunalwahlen vier Jahre später. Rasch etablierte sich Özkan als erfolgreiche Politikerin und stieg zur stellvertretenden Vorsitzenden des CDU-Landesverbandes Hamburg.
Medialer Wirbel
Der 19. April 2010 sollte der bis dahin bedeutendste Tag im Leben der Hamburgerin werden. Özkan folgte Mechthild Ross-Luttmann, die im Zuge einer Kabinettsumbildung die Regierung in Niedersachsen verließ, als neue Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration.
Die erste muslimische und türkisch-stämmige Ministerin in Deutschland erfreute sich zu Beginn großen medialen Interesses, das durchwegs positiv war. Eine "Vorzeigemigrantin" und ein "Vorbild für alle in Deutschland lebenden TürkInnen" könne sie sein. Noch vor ihrer Angelobung sprach sich Özkan jedoch öffentlich gegen das Kopftuch und Kruzifixe an Schulen aus. Es hagelte scharfe Kritik, vor allem aus der eigenen Partei.
Paradoxerweise geht es in der laufenden Diskussion aber nicht um das Kopftuch, sondern lediglich um das Kreuz. Da das Kopftuch-Verbot an Schulen bereits in vielen Teilen der deutschen Gesellschaft als Konsens betrachtet wird, hätte Özkan hier keinen Gegenwind fürchten müssen.
Hingegen lehnte sie sich in einer christlich-konservativen Partei mit ihrem Kruzifix-Ausspruch zu weit aus dem Fenster. Ob junge Naivität oder übereifriges Engagement, Özkan werden wohl noch zahlreiche Herausforderungen erwarten.
(red)
| 28.04.2010 | E-Mail an die Redaktion |




