Bücherkritik: "Islamophober Populismus"
Mit "Islamophober Populismus" legt der Herausgeber des Jahrbuchs für Islamophobieforschung, Farid Hafez, erstmals ein Werk vor, in dem parlamentarische Debatten in österreichischen Bundesländern im Bezug auf ihre Islamdebatten analysiert werden.
Zudem liefert das Buch einen interessanten neuen Ansatz in der theoretischen Diskussion um den Begriff der Islamophobie. Bereits bevor das Minarettverbot in der Schweiz umgesetzt wurde, waren österreichische Rechtspolitiker eilig daran, als Pioniere im Kampf gegen die "schleichende Islamisierung" gezählt zu werden.
Medial fanden die beiden "Moschee- und Minarettbauverbote" weniger internationale Beachtung als in der Schweiz. Das liegt daran, dass der Gesetzestext nicht so explizit Sprache wie jener in der Schweiz und dass es sich um regionale Konflikte handelte, so Hafez.
Mit dieser Arbeit, die Hafez als Dissertation an der Universität Wien im Juni 2009 vorlegte, wird aufgezeigt, was hinter den Verboten in den beiden Bundesländern Kärnten und Vorarlberg steht. Mithilfe der Kritischen Diskursanalyse zeigt Hafez auf, welche Argumentationsmuster die VertreterInnen der unterschiedlichen Parteien verwendeten, um ihre Positionen in den beiden Landtagen zu verteidigen.
Suche nach inhaltlichen Unterschieden
Was Ruth Wodak für den Diskurs über Rassismus im Parlament erforschte, kann auch für den islamophoben Diskurs gesagt werden: Die beiden Großparteien kopieren in vielen Fällen die rechten Diskurse von FPÖ und BZÖ.
Verwunderlich ist jedoch das starke Ausmaß. Zwischen der VP-Vorarlberg und der FP-Vorarlberg scheint es kaum inhaltliche Differenzen zu geben. Lediglich die Grünen würden "konsequent anti-islamophob" sein. Etwas mühselig zu lesen sind die langen Analysen der Topoi, der Argumentationsthemen, derer sich die Parteien bedienen.
Spannender ist vielmehr der theoretische Einstieg: Mit der kreativen Verbindung der beiden Begriffe "Islamophobie" und "Populismus" kreiert Hafez einen neuen wissenschaftlich fundierten Begriff mithilfe dessen er die Landtagsdebatten analysiert und bezieht dabei historische ebenso wie zeitgenössische Dimensionen ein.
Ein Pionierwerk im deutschsprachigen Raum, das sich umfassend mit der Rolle von Islamophopbie in der Parteipolitik beschäftigt.
Farid Hafez: Islamophober Populismus. Moschee- und Minarettbauverbote österreichischer Parlamentsparteien Verlag für Sozialwissenschaften.Wiesbaden, 2010. Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Anton Pelinka.
(red)
| 17.08.2010 | E-Mail an die Redaktion |




