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Jahrhunderte langer Kampf der Frauen


"Klassikerinnen feministischer Theorie" erleichtert die Suche nach einem Buch mit feministischen Grundlagentexten: vielversprechender Titel und ein interessantes Cover, auf dem Frauen mit Schwertern abgebildet sind, die rufen "Siegen oder Sterben".

Das Buch umfasst Schriften, Texte und Reden von Feministinnen von 1789-1919 und umfasst somit einen Zeitraum von 120 Jahren. Es beginnt mit Olypme de Gouges "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin" und endet mit der Rede der ersten deutschen Abgeordneten vor der Weimarer Nationalversammlung. Jeder Beitrag beginnt mit einem kurzen biographischen Abriss der Schriftstellerin und Frauenrechtlerin. Danach folgen Informationen zum Text, zu seiner Entstehung, den historischen Kontext und die politischen Umstände. Bevor ausgewählte Texte der Autorin folgen, wird die Rezeption und Wirkung des Textes dargestellt.

Obwohl die Texte zum Teil über 200 Jahre zurückliegen, ist es faszinierend wie aktuell die gesellschaftlichen Analysen und Diagnosen der Autorinnen zur Benachteiligung von Frauen in Familie, Bildung, Arbeit und Politik bis heute sind. Die Forderungen der Feministinnen haben sich gewandelt, aber sie haben sich nicht geändert. Damals forderten sie Frauenrechte um den Männern gleichgestellt zu sein. Die Frauenrechte sind da, die faktische Gleichstellung lässt noch auf sich warten: Hausarbeit, Einkommen, Vermögen und politische Macht sind nach wie vor ungerecht verteilt.

Breites Meinungsspektrum


"Mann bist du fähig gerecht zu sein? […] Sag mir, wer hat dir die selbstherrliche Macht verliehen, mein Geschlecht zu unterdrücken?," fragt etwa Olympe de Gouge in der Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin (S. 19) und obwohl der Text von 1791 stammt, wirkt er frisch und zu großen Teilen aktuell. 1832 forderte schon die Saint-Simonistin Jeanne-Victoire Jacob "Freiheit, Gleichheit – das bedeutet die freie und gleiche Chance zur Entwicklung unserer Fähigkeiten" (S. 46) und diese Forderung könnte man heute noch immer stellen.

Die Geschichte nach Forderung des Frauenwahlrechts kann man in den Texten sehr gut und international verfolgen. Es kommen Frauen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten und Ländern zu Wort, die sich organisierten, und für gesellschaftliche Anerkennung, politische Teilhabe und gleiche Löhne kämpften, sich teils militant gegen staatliche Gewalt widersetzten, Steuerzahlungen verweigerten und sich nicht verpflichtet sahen Gesetze einzuhalten, die ohne ihre Teilhabe zustande kamen.

Das Buch war eine spannende Lektüre, die jeder Frau und jedem Mann zu empfehlen ist, die/der sich für die Entstehung und die gesellschaftlichen Hintergründe der Frauenbewegung interessiert. Die unterschiedlichen Beiträge sind gut gewählt, die Kapitel und Texte kurz gehalten, was das Lesen leicht und verständlich gestaltet.

Ute Gerhard, Petra Pommerenke, Ulla Wischermann (Hrsg.): Klassikerinnen feministischer Theorie, Grundlagentexte Band I, Ulrike Helmer Verlag, Frankfurt

(red)



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