Kopf der Woche: Gülsüm Namaldi
Es ist eine große Überraschung inmitten eines politischen Erdbebens bei der Wiener Gemeinderatswahl. Mit beinahe 27%, die im Rahmen der Briefwahlkarten-Auszählung noch fallen könnten, errang die FPÖ ein historisch vergleichbares Ergebnis wie 1996. Schmerzvoll war der Abend für die SPÖ, wo aber eingesessene wie Newcomer glänzten.(Foto: Teram Namaldi)
Im ersten TV-Interview meinte die Jungpolitikerin Gülsüm Namaldi zum Wahlergebnis: Es ist noch nichts vorbei. Die Briefwahlkarten werden noch ausgezählt. Und damit kann auch schon der Kern der Persönlichkeit von Namaldi beschrieben werden. Sachlich, abwartend und unaufgeregt. Ganz und gar aufregend ist aber das erste Zwischenergebnis der Auszählung der Vorzugsstimmen. Mit ihrem Listenplatz 166 meinte die Monatszeitschrift "Das Biber", hätte Namaldi so gut wie keine Chance auf Einzug in den Gemeinderat. Deswegen, so Namaldi, mache sie ja auch einen Vorzugsstimmenwahlkampf.
"Straches Albtraum" siegt
Der hat sich ausgezahlt: Mit 3.254 Stimmen ist die gebürtige Niederösterreicherin nicht nur unter den Top Fünf der Wiener Spitzenpolitiker. Sie ist auch nach ihren beiden Genossen Michael Häupl und Omar al-Rawi drittstärkste in der Sozialdemokratie und die erste Frau mit einem so hohen Zuspruch in der SPÖ. Nach dem Bürgermeister (9436), dem altgedienten Universitätsprofessor der Grünen, Alexander Van der Bellen (9.162), FP-Obmann Strache (8.431), SPÖ-Gemeinderat Al-Rawi (4.472) und Grünen-Politikerin Maria Vassilakou rangiert Namaldi als Newcomerin auf Platz Sechs.
Ihre speziellen Forderungen waren die Stärkung des Antidiskriminierungsgesetzes und Professionalisierung der Sprachförderung im Mutterspracheunterricht. Sie ist als muslimische Frau mit Kopftuch bekleidet und damit auf Landtagsebene ein Novum. Dass sie so hohen Zuspruch erhalten hat, ist damit womöglich auch ein Zeichen gegen den Rechtsruck. Während die FPÖ plakatierte, die SPÖ sei für einen Kopftuchzwang und gegen freie Frauen, positionierte sich Namaldi als "Straches Albtraum" (Das Biber) und Gegenthese zu rechter Politik. Nun ist es noch abzuwarten, wie das Ergebnis sich auf die Gemeinderatssitze auswirkt.
(red)
| 11.10.2010 | E-Mail an die Redaktion |
Kommentare






Dies zeigt, Fehler in der Integration und spricht Wiener, wie mich nicht an. Das beweist wiederum, dass HC Strache teilweise Recht behaelt.
Wieso auch, laesst eine Politikerin in WIEN zu, ihre Wahlkampange teilweise in einer fremden Sprache zu verfassen? Wuerde man in der Tuerkei, deutsche Flyer verteilen??
Wenn man beweisen moechte, dass auch Muslime, Platz in Oesterreich haben, sollte man die Integrationsfaehigkeit beweisen koennen. Die Sprache ist nun mal eines der wichtigsten Punkte.
Aus diesem Grund habe ich Frau Guelsum leider nicht gewaehlt.
Liebe Gruesse und ich hoffe auf Verbesserungen bis zur naechsten Wahl.
Maria