Für unsere neue Serie zur Nationalratswahl am 15. Oktober 2017, befragen wir alle bundesweit kandidierenden Parteien zum Thema Islam und MuslimInnen in Österreich. Den Anfang machen NEOS mit ihrem Parteichef und Spitzenkandidat Mathias Strolz. Die erst 2012 gegründete Partei zog 2013 mit 4,96 Prozent und 9 Mandaten in den österreichischen Nationalrat ein. Aktuelle Umfragen sehen NEOS bei stabilen fünf Prozent.

In Österreich bekennen sich mehr als 700.000 Menschen zum Islam. Welche positiven Beiträge zum Wohle unserer Gesellschaft sind ihnen von muslimischer Seite bekannt?

Es gibt unzählige Menschen in Österreich, die tagtäglich zum Wohle unserer Gesellschaft beitragen, MuslimInnen sind hier selbstverständlich keine Ausnahme. Wir sind überzeugt, dass jede und jeder in Österreich wertvolle Beiträge zu unserem Zusammenleben leistet. Ob im Beruf, durch politisches, soziales oder ehrenamtliches Engagement, in den Gemeinden, Vereinen, in der Familie und im Alltag.

Wie wirken Sie als PolitikerInnen der nachweislich steigende Islamophobie und der oftmals medial einseitigen Berichterstattung zum Thema Islam & MuslimInnen entgegen?

Indem wir einen wertschätzenden, toleranten und fairen Diskurs vorleben und entschlossen gegen jegliche Form des Rassismus, der Islamophobie, des Antisemitismus, der Homophobie und des Sexismus vorgehen.

Wie erklären Sie einer kopftuchtragenden Juristin, dass sie aufgrund des „Neutralitätsgebot“ niemals ihren Traumberuf ausüben wird?

Die Trennung von Staat und Religion ist die zentrale Errungenschaft der modernen Demokratie. Gerade im Bereich der Rechtsprechung muss eine solche Trennung besonders deutlich und strikt vollzogen werden. Das Gericht – also auch Richterinnen und Richter sowie Staatsanwältinnen und Staatsanwälte – müssen ihre unbedingte Neutralität gegenüber jeder Weltanschauung sichtbar zeigen. Niemand soll die Unabhängigkeit und Unparteilichkeit der Gerichte in irgendeiner Art und Weise anzweifeln können. Dazu gehören das Kreuz vor der Brust, die Kippa oder das Kopftuch genauso wie andere weltanschauliche Symbole.

NEOS: „Wir erwarten von allen ÖsterreicherInnen das Gleiche“

NEOS und die muslimische Community in Österreich

Bild: NEOS

Welche Initiativen setzt ihre Partei – außerhalb von Wahlzeiten – in Bezug auf politische Partizipation von MuslimInnen?

Wir ermuntern alle Menschen sich politisch zu engagieren und freuen uns über jede und jeden, der sich bei uns einbringen möchte. Bei NEOS gibt es für alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit sich aktiv zu engagieren – sei es bei der Erstellung von Positionen oder auch bei der Wahl der Kandidat_innen.

Welche konkreten drei Dinge erwarten Sie von einem/r MuslimIn in Österreich?

Keine anderen als von allen anderen Mitbürger_innen auch: Respekt vor der Freiheit des anderen, Verantwortungsbewusstsein und ein klares Bekenntnis zum österreichischen Rechtsstaat. Wir wollen niemandem vorschreiben, wie er oder sie zu leben hat, sondern vertrauen auf die individuelle Tatkraft und respektieren den eigenen Lebensweg. Wir glauben an einen Staat, der die Freiheiten der Bürger_innen schützt und ihre Eigenverantwortung fördert.

Vielen Dank für das Interview!