Weitere Literaturtipps und Rezensionen

In „Sexual Ethics and Islam“ befasst sich die amerikanische Forscherin und Schriftstellerin Kecia Ali mit einer feministischen Lesung und Interpretation von Koran, Hadith und fiqh. In diesem Zusammenhang befasst sie sich mit den Themen Heirat, Ehe, Scheidung und islamisch-ethische Vorstellungen zu Sexualität.

Kecia Ali, Sexual Ethics in Islam: Feminist Reflections on Qur´an, Hadith and Jurisprudence, Oneworld, 2016.

Eine sattsam bekannte Meinung zur politischen Herrschaft von Frauen besagt, dass “der Islam” Musliminnen eine Regentschaft verbieten würde. Tatsächlich zeigt dieses Buch den spannenden Umstand auf, dass im 17. Jahrhundert in Aceh Sultaninnen das Gebiet regierten. Die Autorin bespricht hier die Machtergreifung der ersten weiblichen Herrscherin über Aceh, die Auseinandersetzung mit den damaligen patriachalen Vorstellungen und die politische Praxis der Königinnenherrschaft.

Sher Banu A. L. Khan, Sovereign Women in a Muslim Kingdom: The Sultanahs of Aceh, 1641-1699, Cornell University Press, 2017.

Wie wandelt sich eine islamkritische Agnostikerin zu einer gläubigen Muslimin? Etwas Geld. Das ist vermutlich die beste Analyse von Seyran Ateş neuestem Buch „Selam Frau Imamin“, das im Ullstein Verlag erschienen ist. Die in der Vergangenheit eher als Islamkritikerin auftretende türkisch-stämmige Anwältin versucht nun mit einem neuen Label den Islam von innen her zu reformieren. Dass ihre Weggefährten nach wie vor die gleichen Personen wie Ourghi und Manea sind, die ebenso eher als Islamkritiker bekannt sind, scheint dabei nicht zu stören.

Seyran Ateş, Selam Frau Imamin, Ullstein verlag, 2017.

Der neue Staatfeind Nr. 1 der Türkei, die Gülen-Bewegung, ist wenig bekannt. Dem will Ercan Karakoyun Abhilfe leisten. Er konzentriert sich in seiner Darstellung auf eine Viktimisierung der Gülen-Bewegung seitens des Regimes von Tayyib Erdogan. Ginge es nach Karakoyun, will die Gülen-Bewegung nicht mehr als eines: einen menschlichen Islam, Demokratie und Bildung.

Der Onkel-Tom-Türke Karakoyun enthüllt sich damit ohne jedweder kritischer Analyse als Unterstützer des Gülen-Werkes. Alles andere als ein wichtiges Buch zu einem tatsächlich wichtigen Thema angesichts der Unterstellungen zum Putschversuch und der Sektenähnlichen Strukturen. Einen Einblick in die globale Struktur und die Motivationen des weit geflochtenen Netzwerkes bietet Caroline Tee in „The Gülen Movement in Turkey: The Politics of Islam and Modernity“. Darin zeichnet sie nach, wie die Debatte über die Moderne die Gülen-Bewegung beeinflusst hat und warum heute eine Generation von hoch ausgebildeten Personen diesem Netzwerk angehören. Eine kritische Analyse des Putschversuches bleibt auch hier aus.

Caroline Tee, The Gülen Movement in Turkey: The Politics of Islam and Modernity, I.B. Tauris, 2016.

Ercan Karakoyun, Die Gülen-Bewegung. Was sie ist, was sie will, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2017

‚The political thought of Abdullah Öcalan‘ ist eine Kompilation der Schriften des seit 1999 inhaftierten Führers der PKK. Sie sind vor dem Hintergrund derzeitiger bewaffneter Auseinandersetzungen im Irak und in Syrien von zentraler Bedeutung als ideologisches Backup der in diesen Gebieten mit der PKK verbundenen Gruppen. Ausgehend von der Erklärung des Konzeptes des Demokratischen Konföderalismus, welcher hier das Zentrum des Denkens von Öcalan bildet, wird eine Gesellschaftsutopie geschaffen, an deren Ende eine egalitäre sozialistische Ordnung im Mittleren Osten steht.

The political thought of Abdullah Öcalan, Pluto Press, 2017

Der von Butter/Franke/Tonn herausgegebene Sammelband ,“Von Selma bis Ferguson – Rasse und Rassismus in den USA“ geht der Frage nach, was aus den Visionen eines Amerika der Gleichheit, Gerechtigkeit und Selbstbestimmung geworden ist. Fünfzig Jahre nach der Bürgerrechtsbewegung, nach dem Erklimmen der Präsidentschaft durch einen Schwarzen Präsidenten wird kritisch die die Polizei-Brutalität, Ausgrenzung und Rassismus gegenüber Afroamerikaner*innen diskutiert. Die Beiträge gehen der Frage nach, was die Bürgerrechtsbewegung in den USA hinterlassen hat, und fragen, was Rassismus heute bedeutet.

Michael Butter / Astrid Franke / Horst Tonn (Hg.), Von Selma bis Ferguson – Rasse und Rassismus in den USA, Transcript Verlag, 2016.

The Battle of Algiers ist einer der bedeutsamsten politischen Filme aller Zeiten. Der Sozialwisenschaftler Sohail Daulatzai zeigt in dem gleichnamigen Buch, das den Untertitel „Vergangenheit als Prolog“ trägt, dass die Bedeutung des Filmes auch von gegewärtiger Relevanz ist. Mit einer philosophischen Zustimmung von Frantz Fanon ausgestattet zeigt Daulatzai nicht nur die prophetische Bedeutung des Filmes auf. Er veranschaulicht auch, inwiefern der Film angesichts fortwährender kriegerischer Handlungen eine imperiale Zukunft voraussagt.

Sohail Daulatzai, Fifty Years of The Battle of Algiers. Past as Prologue, Minnesota Univ Press, 2016.

Der studierte Rechtswissenschafter und Journalist Holger Schmidt diskutiert in seinem neuen Buch „Wie sicher sind wir? Terrorabwehr in Deutschland. Eine kritische Bilanz“ der komplexe System der Geheimdienstapparate in der Bundesrepublik Deutschland. Während auf Länderebene 16 Landeskriminalämter sowie 16 Landesämter für Verfassungsschutz anzufinden sind, gibt es gleichzeitig auch Einmischung auf Ebene des Bundes mit drei Bundesbehörden und drei Geheimdiensten. Insgesamt ein verworrenes Geflecht von 40 Sicherheitsbehörden, die mit-, neben und gegeneinander arbeiten, sind zu zählen. Kenntnisreich und voller Details beschreibt der Autor,  wie der Staat gegen extremistische Gruppen aufgestellt ist. Fragen der inneren Sicherheit berühren immer auch Fragen der Bürgerrechte und des demokratischen Selbstverständnisses einer Gesellschaft. Wie ehrlich ist die Politik zur Gesellschaft, und wo endet die Schutzpflicht des Staates? Wie weit kann eine Demokratie in der Terrorismusbekämpfung gehen, ohne ihre Substanz zu opfern? Dieses Buch sorgt für ein profundes Verständnis der Probleme und ihrer Lösungsversuche. Es deckt Missstände auf und nennt die Verantwortlichen. Ein wichtiges Buch, das die öffentliche Sicherheitsdiskussion beeinflussen wird.

Holger Schmidt, Wie sicher sind wir? Terrorabwehr in Deutschland, orell füsli Verlag, 2017.

 

Innerhalb von nur hundert Jahren entstanden der Islam und das Weltreich der Kalifen und veränderten tiefgreifend die politischen und kulturellen Koordinaten der Welt. Der Islamwissenschafter Lutz Berger erklärt dieses „Wunder“ aus dem Wandel der spätantiken Gesellschaften und beschreibt , wie sich der Islam Hand in Hand mit den arabischen Eroberungen formiert hat.

Es gibt viele Spekulationen über die Entstehung des Islams im 7. Jahrhundert. Aus westlicher und christlicher Sicht wurde sie oftmals als christliche oder jüdische Sekte betrachtet. Der Autor zeigt mit detailliertem Wissen, aber eben auch mit seiner weltanschaulich gefärbten Sicht, auf der Grundlage neuester Forschungen, wie sich in der Konkurrenz monotheistischer Erlösungsreligionen von Mekka aus der Islam verbreitet.

Lutz Berger, Die Entstehung des Islam. Die ersten hundert Jahre, C. H. Beck Verlag, München 2016

 

Der Historiker an der New York University, Greg Grandin, portraitiert das Leben und die Langzeitwirkung eines der umstrittensten Männer der US-amerikanischen Außenpolitik. Für die einen ist er Amerikas Metternich, für die anderen ein Zyniker und Kriegsverbrecher. Mit historischem Detailwissen zeigt Grandin auf, dass Henry Kissinger vor allem eines ist: der einflussreichste Architekt des imperialen, militaristischen und weit nach rechts abgedrifteten Amerika von heute. Wer die Krise der Weltmacht USA verstehen will, der muss Kissinger verstehen – und Grandins Buch lesen. Es ist Kissinger, so argumentiert der Autor, der eine militarisierte Version des amerikanischen Exzeptionalismus eingeführt hat, die bis heute einseitig den imperialen Stil der amerikanischen Außenpolitik bestimmt. Es ist eine historische Arbeit mit höchster Relevanz für heute.

Greg Grandin, Kissingers langer Schatten. Amerikas umstrittenster Staatsmann und sein Erbe, C. H. Beck Verlag, München 2016

 

Er ist neben Darwin einer der meistzitierten Denker des 19. Jahrhunderts. Seine Theorien wie auch sein politischer Nachlass werden von unzähligen Gruppen und Denkern beansprucht. Und heute erfährt er im Zuge von Finanzkrisen wieder Hochkonjunktur. Nun wird sein Werk in ausführlichem Detail in den Kontext seiner Zeit gestellt. Der Historiker Jonathan Sperber schildert den historischen Marx – er rekonstruiert die Entstehung der Marxschen Theorie im Kontext der damaligen Ideen und Kontroversen, zeichnet seine politischen Aktivitäten vom Redakteur der Rheinischen Zeitung bis zum Gründervater der sozialistischen Bewegungen nach und beschreibt auch sehr eindrucksvoll den Menschen Karl Marx.

Jonathan Sperber, Karl Marx. Sein Leben und sein Jahrhundert, C. H. Beck Verlag, München 2013

 

Anti-Judaismus wird heute tendenziell als irrationale Abweichung vom westlichen Denken über Freiheit, Toleranz und Fortschritt betrachtet. Der US-amerikanische Historiker David Nirenberg zeichnet ein anderes Bild. Mithilfe zahlreicher und oft erschreckender Belege von der Antike bis heute präsentiert er ein Bild, in dem Anti-Judaismus eine konstitutive Säule des westlichen Denkens und Selbstbildes bildet. Der Westen, so der Autor, sei nicht zu denken ohne dessen ständige Distanzierung vom Judentum. Das gilt nicht nur historisch weit zurück, wenn wir an die spanische Inquisitoren oder die protestantischen Reformatoren denken. Auch in der Zeit der Aufklärung blieb dieses Feindbild bestehen. Voltaire bekämpfte in Gestalt der Juden den Aberglauben, Kant die selbstverschuldete Unmündigkeit und Marx das Privateigentum.

David Nirenberg, Anti-Judaismus. Eine andere Geschichte des westlichen Denkens, C. H. Beck Verlag, München 2015

 

Es ist der nunmehr 8. Band der Reihe „Nationalsozialismus in den Bundesländern“, in dem sich die beiden Historiker Martin Krist und Albert Lichtblau mit zentralen Fragen zum Nationalsozialismus in Wien auseinandersetzen. Wie kommt es zum Aufstieg der Nationalsozialisten? Was begeistert die Wienerinnen und Wiener daran? Wie erleben junge Menschen diese Zeit und wie ergeht es den Wiener Jüdinnen und Juden? Was passiert am „Spiegelgrund“? Wie verläuft der Bombenkrieg in Wien? Der Band ist in einfacher Sprache geschrieben und richtet sich an eine interessierte LeserInnenschaft. Es fasst die Erkenntnisse der (lokalen) Geschichtswissenschaft somit für einen breiten Kreis an Interessierten zusammen.

Martin Krist, Albert Lichtblau, Nationalsozialismus in Wien Opfer. Täter. Gegner, Studienverlag, 2017.

 

Steven Cook, False Dawn. Protest, Democracy, and Violence in the New Middle East, Oxford University Press, 2017.

Der Politologe Steven Cook widmet sich in seinem neuesten Werk „False Dawn. Protest, Democracy, and Violence in the New Middle East“ den vergangenen 5 Jahren seit Beginn des Arabischen Frühlings. Er erklärt, wie und warum der Aufstand in der arabischen Welt misslang und vielmehr zu einer Welle von Gewalt und erneuter staatlicher Unterdrückung geführt hat. Er setzt in der Tradition seines Verständnisses US-amerikanischer Außenpolitik einen deutlichen Akzent in Nichteinmischung.

 

Noam Chomsky and Andre Vltchek, On Western Terrorism. From Hiroshima to Drone Warfare, Pluto Press, 2017.

Noam Chomsky gilt al seiner – wenn nicht DER – bedeutendste radikale linke Denker unserer Zeit. In der neuen überarbeiteten Version von „On Western Terrorism. From Hiroshima to Drone Warfare“ wird ein Gespräch zwischen ihm und dem in der Tschechischen Republik geborenen US-Amerikanischen Filmemacher und Politikwissenschafter André Vltchek nachgezeichnet. Es ist eine Tour durch die gewaltvolle Geschichte US-amerikanischer Intervention in der Welt. Die Autoren beginnen ihr Gespräch mit den Nachwirkungen des Kolonialismus. Von dort aus thematisieren sie die Rolle von Medien und Propaganda, um später anhand von einzelnen Gebieten den Terror der USA zu besprechen, begonnen mit dem Sowjetblock, Indien und China, Lateinamerika bis zum Mittleren Osten. Am Ende diskutieren sie Zeichen des Untergangs der US-amerikanischen Vormachtstellung.

 

Warum folgte Donald Trump auf Barack Obama ins Weiße Haus? Warum sind die Vereinigten Staaten so polarisiert? Und wie kann der US-amerikanische Exzeptionalismus diese gesellschaftlichen Veränderungen erklären? Der Rechtswissenschaftler an der Universität von Stanford, Mugambi Jouet, versucht in seinem Werk „Exceptional America“ all diese Fragen zu erklären und aufzuzeigen, warum die US-amerikanische Gesellschaft weitaus stärker geteilt ist als andere westliche, wenn es um grundsätzliche Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens geht.

Der in Frankreich aufgewachsene Jouet erklärt, warum der US-amerikanische Exzeptionalismus einst eine Stärke war, während er heute für Niedergang steht. In seinem Buch zeigt er auch auf, wie der amerikanische Konservativismus sich schon seit längerem in eine Richtung bewegt, die einen Trump ermöglichte; Anti-Intellektualismus, Verschwörungsdenken, Anti-Elitärismus und christlicher Fundamentalismus.

Mugambi Jouet, Exceptional America. What Divides Americans from the World and from Each Other. University of California Press, 2017.

 

Weniger als drei Monate vor dessen Erschießung sprach Malcolm X im Rahmen der Oxford Union, einem der prestigeträchtigsten Debattierorte im Vereinigten Königreich von Großbritannien. Es war ein ort, an dem Staatsmänner und Celebrities ein podium erhielten. Malcolm X hingegen repräsentierte eine Ikone der Militanz im Zeitalter der Rassenfrage. Für viele stand er für Revolution und Angst. Das vorliegende Buch von Stephen Tuck erzählt, wie es dazu kam, dass Malcolm X eingeladen wurde, warum dieser der Einladung gefolgt war und was für einen Effekt dieser Besuch auf Malcolm wie auch auf die britischen Studierenden hatte. Stephen Tuck erzählt hier eine Geschichte eines Menschen hinter der Debatte und nutzt dies als Ausgangslage für eine Diskussion über Black Power, dem Ende des Empire, britischen Rassebeziehungen, Immigration und Studentenrechten. Für Malcolm X war es eine Inspiration, Verbindungen zu anderen von Segregation betroffenen Minderheiten aus der Karribik, Afrika und Südasien zu machen. Es gab ihm eine internationale Sicht auf seinen Kampf und inspirierte umgekehrt britische Aktivisten. Auf faszinierende Art und Weise zeigt Tuck auf, wie dieses lokale Ereignis einer persönlichen Transformation international wirkte.

Stephen Tuck, The Night Malcolm X Spoke at the Oxford Union. A Transatlantic Story of Antiracist Protest, University of California Press, 2014.

 

In diesem Buch analysiert der Politologe Ahmed Tohamy oftmals negierte Aspekte, die zu den Protesten führten, welche Hosni Mubarak im Februar 2011 von dessen Thron stießen. Nach Tohamy war e seine bereits seit einem Jahrzehnt aktiv sich entfaltende soziale Bewegung der Jugend, welche diesem Sturz als wichtigste Erklärung vorausging. Tohamy benient sich der Sozial Bewegungstheorien, um aufzuzeigen, wie die ägyptische Jugend eine Akteurin der Veränderung im Mittleren Osten wurde. Damit liefert Tohamy auch einen Beitrag über die Frage der Nachhaltigkeit und Substanz der Revolution und deren Auswirkungen auf Staat und Gesellschaft.

Ahmed Tohamy, Youth Activism in Egypt: Islamism, Political Protest and Revolution, I.B. Tauris, 2016.

 

Der an der Princeton University lehrende Politologe Jan-Werner Müller versucht in seinem Buch „What Is Populism?“ aufzuzeigen, wo die Grenzen des Populismus liegen. Basierend auf Beispielen aus Lateinamerika, Europa und den USA versucht er die Charakteristika des Populismus zu analysieren und ihren Erfolg in der Gegenwart zu erklären. Es geht um die Frage, wo der Unterschied zwischen linken und rechten Populismus liegt. Für Müller liegt die Essenz des Populismus in der Negierung von Pluralismus und der Behauptung von Populisten, sie alleine würden den wahren Willen des Volkes repräsentieren.

Jan-Werner Müller, What Is Populism?, University of Pennsylvania Press, 2016.

 

Dustin J. Byrd & Seyed Javad Miri legen in ihrem Sammelband „Malcolm X. From Political Eschatology to Religious Revolutionary” eine wichtige Analyse zur politischen und religiösen Philosophie einem der bekanntesten afro-amerikanischen und muslimischen Denker des 20. Jahrhunderts vor. 13 Wissenschaftler aus sechs Fachgebieten erklären, warum Malcolm X noch immer nach 50 Jahren von Bedeutung ist.

Dustin J. Byrd & Seyed Javad Miri, Malcolm X. From Political Eschatology to Religious Revolutionary, Brill, 2016.

 

Hier kommt eine Stimme aus dem Inneren: Reza Pankhurst, ein ehemaliges Mitglied der Hizb-ut-Tahrir (Befreiungspartei), einer in den meisten autoritären islamischen Ländern verbotenen Partei, erzählt der Historiker und Politikwissenschafter Pankhurst eine Geschichte, die tatsächlich so noch nie erzählt wurde. Die 1953 gegründete Partei, die bis heute Hunderttausende von Mitgliedern hat, die regelmäßig Konferenzen von Jakarta bis Ramallah organisieren, ist vielen im Westen weithin unbekannt. Der Autor nutzte die Möglichkeit, während der kurzen politischen Öffnung in Ägypten in Folge des Arabischen Frühlings, Interviews mit den Mitgliedern der ersten Stunde durchzuführen, interne Dokumente aufzuarbeiten und damit eine Geschichte ihrer Gründung von innen heraus nachzukonstruieren. Pankhurst zeichnet viele Stationen von Delegationsanfragen bei Sadat, Gaddafi und Khomeini sowie Putschversuche in Jordanien bis zu Exekution von hunderten von Mitgliedern in Libyen und im Irak, um ein Bild von lokalen, regionalen und globalen Relevanz der Bewegung zu vermitteln.

Reza Pankhurst, Hizb-ut-Tahrir. The Untold History of the Liberation Party, Hurst, 2016.

 

Ein hoch gelobtes Werk legt Su’ad Abdul Khabeer mit „Muslim Cool. Race, Religion, and Hip Hop in the United States“ vor. Abdul Khabeer hat über 20 Jahre ethnographische Studien unternommen und präsentiert in ihrem Buch „Muslim Cool“ als Beschreibung eines Daseins muslimischer Jugendlicher, wie sie basierend auf der Erfahrung des Schwarzen Amerikas rassistische Normen in den USA wie auch dominante ethnische und rleigiöse Strukturen innerhalb der US-amerikanischen muslimischen Gemeinschaft in Frage stellen.

Muslim Cool stellt zum einen die Annahme in Frage, dass Muslime in den USA neu zugewanderte seien. Gleichzeitig meint dieses Konzept des Seins eine kritische muslimische Selbstkonstruktion, die auf einer Beziehung zwischen Schwarz-Sein und Muslim-Sein basiert und hier keine Trennung vornimmt. Es ist eine wichtige Studie zur Bedeutung von Hip Hop und Schwarzer Identität für die muslimische Gemeinschaft in den USA. Abdul Khabeer schließt ihr Werk mit einer kritischen Debatte von BlackLivesMatter und der Rolle von Muslimen in dieser sozialen Bewegung.

Su’ad Abdul Khabeer, Muslim Cool. Race, Religion, and Hip Hop in the United States, NYU Press, 2016.

 

Die Religionswissenschaftler Sophia Vasalou legt mit ihrem Werk „Ibn Taymiyya’s Theological Ethics“ eine umfassende Studie zur theologischen Ethik einer der bedeutendsten und oft zitiertesten muslimischen Gelehrten, Ibn Taymiyya, vor. Ihre Arbeit sticht darin hervor, dass sie Ibn Taymiyyas Reflexionen in einen ideengeschichtlichen Kontext seiner Zeit stellt. Damit ist ihr Werk auch ein Beitrag zur Diskussion der Bedeutung ethischen Denkens in der klassischen Periode islamischen Denkens an der Schnittstelle von Theologie, Philosophie und Rechtswissenschaft.
Sophia Vasalou, Ibn Taymiyya’s Theological Ethics, Oxford University Press, 2016.

 

Das Schicksal der Juden ist ein vielbeachtetes Thema von Forschungen, Spezialstudien und Zeitzeugnissen. Die kaum mehr zu überblickende Literatur  wurde nunmehr in einer qualifizierten Gesamtdarstellung fachkundig neu zusammengestellt. Dieses Unterfangen beging der britische Historiker David Cesarani. Mithilfe der Erschließung umfangreiche Quellen aus Osteuropa, die erst nach dem Untergang der Sowjetunion zugänglich wurden,

sowie jüngst freigegebenes Geheimdienstmaterial aus Ost und West. Daraus ergeben sich neue Einblicke in das Ausmaß des Völkermords, das Wissen darüber seitens der Deutschen wie der Alliierten, die Befehls- und Entscheidungsprozesse der NS-Täter sowie die kriegsbedingten und ökonomischen Aspekte des Holocaust.

David Cesarani, Endlösung. Das Schicksal der Juden 1933 bis 1948, Propyläen Verlag, Berlin 2016

 

Der Islam- und Politikwissenschaftler Muhammad Sameer Murtaza diskutiert in seinem neuesten Werk eine immer wiederkehrende Frage an den Islam: Braucht dieser eine Reformation oder nicht? Zumindest keine Reformation im Sinne Martin Luthers, meint der Autor. Murtaza meint, dass alle Versuche, das europäische Modell zu kopieren, zum Scheitern verurteilt seien und erklärt, wie sich der Islam aus seinem eigenen Erbe heraus erneuern könne. Er bricht mit alten Klischees, liefert eine tiefschürfende Analyse der Hintergründe der aktuellen Situation des Islams und kommt zu konstruktiven Vorschlägen mit polarisierenden Aussagen. Ein Debattenbuch, das provoziert und anregt.

Muhammad Sameer Murtaza, Die gescheiterte Reformation. Salafistisches Denken und die Erneuerung des Islam, Verlag Herder, 2016

 

Der Politikwissenschaftler Hans-Martin Schönherr-Mann, eine Größe zum Themenfeld der Philosophie des 20. Jahrhunderts, stellt mit seiner Schrift zu Albert Camus diesen als politischen Philosophen in die Nähe von Theodor Adorno, Hannah Arendt und Michel Foucault. Camus, das war für Schönherr-Mann ein im Existentialismus links positionierter Philosoph, der sich aber nicht dem Kommunismus hingab. Im Zentrum seines Werks Der Mensch in der Revolte entwirft dieser ein Gegenmodell zur proletarischen Revolution, die sich am seit der Moderne immer wieder sich auflehnenden Menschen orientiert. Schönherr-Mann sieht darin eine Antizipation der kommenden Bürger- und Protestbewegungen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute, in denen es nicht mehr um die große Revolution, sondern um Emanzipation und Vielfalt geht. Für Camus steht ebenso wie für Sartre und de Beauvoir das Individuum im Mittelpunkt, verantwortlich für ihr eigenes Handeln.

In „Gewalt, Macht, individueller Widerstand. Staatsverständnisse im Existentialismus“ präsentiert der Politikwissenschaftler eine Analyse von 16 AutorInnen des – im weitesten Sinne – Existentialismus, in denen er nach deren Beiträgen zum Staatsverständnis fragt. Wegbereiter des Existentialismus wie de Sade, Kierkegaard, Stirner, Vorläufer des Existentialismus  wie Nietzsche und Michelstaedter, Vertreter des metaphysischen Existentialismus wie Marcel und Jaspers, Randgänger des Existentialismus   wie Heidegger und Arendt, Vertreter eines emanzipatorischen Existentialismus  wie Sartre und de Beauvoir und ihre Sichtweisen auf den Staat werden in diesen Kapitel behandelt.

Hans-Martin Schönherr-Mann, Albert Camus als politischer Philosoph, Interdisziplinäre Forschungen – Band 26, innsbruck university press, 2015.

Hans-Martin Schönherr-Mann, Gewalt, Macht, individueller Widerstand. Staatsverständnisse im Existentialismus, Nomos Verlag, 2015.

 

Bürokratisiert, überreguliert, behindert – das ist der Generalbefund zum Zustand der Republik Österreich, des Industriellen Hannes Androsch und des früheren Rechnungshof-Präsidenten Josef Moser. Der Journalist Peter Pelinka Pelinka hat seine Gespräche mit den beiden konstruktiven Kritikern nun in Buchform veröffentlicht. Neben dem Befund geben die beiden Größen auch Empfehlungen für eine Verbesserung der Lage. Ein Muss zur kritischen Auseinandersetzung mit der Republik.

Hannes Androsch und Josef Moser, Einspruch – Der Zustand der Republik und wie wir ihn retten können, Verlag edition a.

 

Der Österreicher Hannes Führinger gab Handelsschiffen Begleitschutz gegen Piraten. Im November 2011 wurde er in Kairo verhaftet. Und saß ganze fünf Jahre lang in dem ägyptischen Gefängnis Al Qanater. Was er dort erlebte und unter welchen widrigen Umständen er überleben konnte, das erzählt er nun erstmals in seinen biographischen Aufzeichnungen. Das Buch lässt nachfühlen, wie es sich in die dunkelsten Ecken eines autoritären und diktatorischen Regimes lebt.

Hannes Führinger: „Al Qanater – Fünf Jahre im Gefängnis von Kairo“Verlag edition a

 

Mit dem Sammelband „Christentum und Islam als politische Religionen. Ideenwandel im Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen“ legen drei Politikwissenschaftler eine fundierte Analyse wichtig Stationen des Wandels politisch-religiöser Ideen im Christentum und im Islam als ideelle Anpassungsleistungen an die sich stetig verändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bzw. auch als Gestaltungsversuche des Politischen auf Basis theologischer Prämissen dar. In Einzelfallanalysen ebenso wie in vergleichender Perspektive werden konzeptionelle und methodische Zugangsmöglichkeiten zum Themenfeld ausgelotet und der Wandel im politisch-religiösen Denken in Christentum und Islam erschlossen. Das Buch bietet dabei eine zentrale Hilfestellung und ist ein differenzierter Beitrag zum Verständnis genuin politischer Dimensionen von Religionen.

Hidalgo, Oliver, Zapf, Holger, Hildmann, Philipp W. (Hrsg.), Christentum und Islam als politische Religionen. Ideenwandel im Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen, Springer Verlag, 2016.

 

Mit „Die Salafisten. Der Aufstand der Frommen“ legt der versierte Islamwissenschaftler Rüdiger Lohlker ein längst überfälliges Werk für Nichtakademiker vor. Lohlker erklärt darin, wo die Ursprünge dieser Bewegung liegen, welche unterschiedlichen Strömungen es gibt und warum es zu einer Verbreitung dieser Idee in der islamischen Welt kam. Sein wichtiges Buch öffnet differenzierte Sicht auf diese Bewegung. Lohlker zeigt auf, dass der Salafismus weder als „politische Ideologie“ oder als „terroristische Bewegung“ gesehen werden kann. Vielmehr zeigt er auf, dass die Ursprünge der sunnitischen Frömmigkeitsbewegung in einem Islam liegen, der sich – ähnlich wie Luther und die Reformatoren – auf die Quellen des Glaubens besinnt. Er beschreibt, wie sich hiervon eine militante Strömung abgezweigt hat, die den gewaltsamen Dschihad predigt, weltweit missioniert, andere islamische Traditionen bekämpft und ein islamisches Gemeinwesen wie in den Zeiten der ersten Altvorderen schaffen will – dies alles mit tatkräftiger und finanzieller Unterstützung aus Saudi-Arabien.

Lohlker, Rüdiger. Die Salafisten. Der Aufstand der Frommen, Saudi-Arabien und der Islam, 2017.

 

Der deutsche Journalist Armin Wertz legt mit seinem neuen Buch „Die Weltbeherrscher“ eine umfassende Arbeit über militärische und geheimdienstliche Operationen der USA vor. Auch wenn der Autor meint, hier nur Fakten darstellen zu wollen, welche die Leserschaft interpretieren solle, so vermittelt die Lektüre doch ein recht eindeutiges Bild. Die Chronik beginnt 1794/95 in Ohio, wo Georg Washington das Nordwestterritorium den weißen Siedlern freigegeben hatte, die Indianer sich widersetzten, aber schließlich große Gebiete an die USA abtreten mussten.

Die aktualisierte und erweiterte Ausgabe aus 2017 geht bis in unsere heutigen Tage und das Ende der Obama Administration. Dem Kampf der USA gegen die Ausbreitung des Kommunismus widmet Wertz das ganze Kapitel mit dem Titel „Die Demokratie wurde vor dem Kommunismus gerettet, indem sie abgeschafft wurde“. Dem Leseanreiz ist offenbar auch die Überschrift des Abschnitts über die jüngste Zeit geschuldet („Das ist kein Kriegs- sondern ein Mordprogramm“). Der Autor sieht den Cyberspace „offiziell als neues Kriegsgebiet anerkannt“ und analysiert Drohnen-Einsätze, Lauschoperationen der NSA-Satelliten und die vielfältigen Aktivitäten der CIA. Alles in allem bietet das Buch vor allem kritischen Lesern, die hinter die doch etwas grelle Präsentation blicken, tiefe Einblicke in die US-Politik.

Armin Wertz: Die Weltbeherrscher. Militärische und geheimdienstliche Operationen der USA, Westend, 2017.

 

Thomas Piketty nennt ihn einen Godfather und Vorbild einer ganzen jungen Generation von Ökonomen. Die Rede ist von Anthony Atkinson, der in seinem Werk „Ungleichheit“ soziale Ungleichheit als Grundproblem unserer Zeit ausmacht. Denn ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt über 50 Prozent des Weltvermögens. 99 Prozent der Weltbevölkerung diskutieren und verzweifeln, würden aber nicht handeln, so der Autor. Soziale Ungleichheit ist für Anthony Atkinson ganz oben auf der „Agenda der Weltprobleme“. Man kann fast alle tagespolitischen Konflikte, die Flüchtlings- und Eurokrise, den Terrorismus und die Kriege im Nahen Osten auf sie zurückführen. Gegen die lähmende Untätigkeit legt der britische Ökonom ein Programm für den Wandel vor und empfiehlt 15 konkrete Maßnahmen für die Bereiche Technologie, Arbeit, soziale Sicherheit sowie Kapital und Steuern. Eine Pflichtlektüre.

Anthony Atkinson, Ungleichheit: Was wir dagegen tun können?, Klett-Cotta Verlag, Suttgart 2016

 

Sie gilt vielen als beste Jazzsängerin aller Zeiten. Mit ihrer Drei-Oktaven-Stimme und ihrer unverwechselbaren, klaren Intonation hat Ella Fitzgerald Maßstäbe gesetzt. Ohne die ,Queen of Jazz‘ wäre die Musikgeschichte eine andere. Aus ärmlichsten Verhältnissen stammend, arrivierte Ella Fitzgerald zur viel bewunderten Interpretin, die in den renommiertesten Konzerthallen weltweit gefeiert wurde. Johannes Kunz liefert in seiner Biographie nicht nur Einblicke in ihre musikalische Bedeutung, sondern beleuchtet ebenso ihre Bedeutung für die US-amerikanische Kultur. In Gesprächen, die Johannes Kunz mit Ella Fitzgerald, ihrem Manager Norman Granz oder dem Pianisten Oscar Peterson führte, wird die Aura dieser faszinierenden Persönlichkeit lebendig.

Johannes Kunz: Ella Fitzgerald und ihre Zeit, 2016

 

„Die Sprache des Terrors. Warum wir die Propaganda des IS verstehen müssen, um ihn zu bekämpfen“ heißt das neue, so bedrückende wie erhellende Buch des französischen Philosophen Philippe-Joseph Salazar, geboren 1955 in Casablanca und Schüler von Jacques Derrida, Roland
Barthes und Emmanuel Levinas. Salazar geht dabei der Frage nach, warum der IS für so manche junge Menschen eine Attraktion darstellt. Der Philosoph und Rhetorikprofessor zieht zur Erklärung die Wortgewalt und Überzeugungskraft des Dschihadismus heran und meint, dass genau diese nachvollzogen werden müsse. Seine Quintessenz: Man könne ein rhetorisches Modell nur dann bekämpfen, wenn man verstanden habe, wie es funktioniere. Eine interessante Annäherung.

Philippe-Joseph Salazar, Die Sprache des Terrors. Warum wir die Propaganda des IS verstehen müssen, um ihn bekämpfen zu können, 2016.

 

Ein NY Times-Bestseller und von der National Academy of Science als bestes Buch des Jahres ausgezeichnetes Werk ist nun auch in deutscher Sprache zugänglich. Charles C. Mann schreibt die Geschichte der vorkolumbischen Amerikas. Er macht deutlich, dass die indianischen Kulturen oftmals weiter entwickelt waren als die europäische. Ihre Boote waren schneller und wendiger als die der Europäer, ihre Städte größer als das damalige Paris. Kolumbus‘ Ankunft in Amerika veränderte den Kontinent fundamental. Zwei Zivilisationen trafen aufeinander, deren Historie und Kultur unterschiedlicher nicht hätten sein können, und für die Ureinwohner war die Begegnung folgenschwer: Die Masern-, Pocken- und die Grippeviren, welche die Europäer einschleppten, rafften einen Großteil von ihnen dahin, Kriege entmachteten sie. Mann lässt das vorkolumbische Amerika aufleben. Er gewährt uns Einblicke in die Lebensweise der Ureinwohner und zeigt, wie noch heute ihre Mais-, Kürbis- und Kartoffelanbauflächen weite Teile des Kontinents prägen. Ein wichtiges Werk zur Dekonstruktion der westlich geprägten Wissenskultur.

Charles C. Mann, Amerika vor Kolumbus. Die Geschichte eines unentdeckten Kontinents, Rowohlt,

 

Das Autorenpaar Herfried und Marina Münkler präsentieren in ihrem Buch „Die neuen Deutschen. Ein Land vor seiner Zukunft“ Thesen, warum das alte Deutschland vergangen ist. Sie versuchen die aktuelle Situation jenseits der Aufgeregtheiten der Tagespolitik in einen historischen Zusammenhang zu stellen. Dabei weisen sie darauf hin, dass Wanderungs- und Fluchtbewegungen nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind. Sie gehen von dieser Grundüberlegung der Frage nach, wie diese Bewegungen beherrscht werden können, was getan werden muss, um mögliche Risiken und Gefahren zu bändigen. Gleichzeitig zeigen sie die großen Chancen auf, die sich durch Migrationsbewegungen bieten. Mit den neuen Deutschen sind dabei nicht die zugewanderten Menschen gemeint, sondern ebenso die altansässigen, die ebenso eine Veränderung durchmachen müssen.

 

Herfried Münkler, Marina Münkler, Die neuen Deutschen. Ein Land vor seiner Zukunft, Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2016.

 

Nachdem das Grundlagewerk des österreichischen Religionsrechts aus dem Jahr 2003 veröffentlicht wurde, bieten zwei der bedeutendsten österreichischen Religionsrechtler, Richard Potz und Brigitte Schinkele von der Universität Wien nun einem englisch-sprachigen Publikum eine Einführung in das österreichische Religionsrecht. Mit „Religion and Law in Austria“ wird ein praktischer Überblick für alle Außenstehenden geboten, der fachkundige Leser interessieren wird wie auch die sich ofrmals schwierig gebende Übersetzung von Fachtermini des österreichischen Religionsrechts unterstützt.

Richard Potz, Brigitte Schinkele. Religion and Law in Austria, Wolters Kluwer, 2016.

 

Philosophie wird in unserer Welt heute oftmals schlichtweg auf westliche Philosophie reduziert. Andere Philosophien wie afrikanische, arabische, chinesische bilden dann Unterkategorien und werden als Ethnophilosopohie geführt. Der Anspruch an Universalität wird damit lediglich der westlichen zugesprochen. Damit wird klar, dass westliche philosophische Traditionen anderen nicht den gleichen Stellenwert zusprechen. In Can Non-Europeans Think? präsentiert der Wissenschaftler Hamid Dabashi eine historische und theoretisch einzigartige Reflexion aktueller Geschehnisse. Er argumentiert als zentrale These, dass die Lösung heutiger Probleme damit beginnt, verschiedene Wissenskulturen sprechen zu lassen und als Teil der Lösung aktueller Probleme in Betracht ziehen.

Hamid Dabashi, Can Non-Europeans Think? , Zed Books, 2015

 

Der Religionswissenschaftler Noah Salomon präsentiert in seiner viel beachteten Studie zum islamischen Staat im Sudan eine ethnographische Studie dessen ästhetischer und politischer Bedeutung. Er bettet die Entstehung des islamischen Staates dabei in den Kontext der sehr spezifischen Erfahrung des Islams im Sudan ein.

Noah Salomon, For Love of the Prophet: An Ethnography of Sudan’s Islamic State, Princeton University Press, 2016

 

In “Trouble on the Far Right. Contemporary Right-Wing Strategies and Practices in Europe” präsentieren die beiden Herausgeber Maik Fielitz und Laura Lotte Laloire das weite Spektrum der Neuen Rechten in seiner Vielschichtigkeit. Thematisiert werden nicht nur parlamentarische Strategien, sondern auch die Strategien auf der Straße. Der Sammelband geht aber noch weiter und diskutiert die Frage nach kultureller Hegemonie der Neuen Rechten und nimmt ebenso den Untergrund in den Blick. Ein wunderbarer kurzer Überblick über die Vielschichtigkeit eines immer bedeutsameren Phänomens.

Maik Fielitz / Laura Lotte Laloire (eds.), Trouble on the Far Right. Contemporary Right-Wing Strategies and Practices in Europe, Transcript, 2016.

 

Der am King’s College in London Politik und Religion lehrende Daniel Nilsson DeHanas präsentiert in seinem Werk „London Youth, Religion, and Politics. Engagement and Activism from Brixton to Brick Lane” erstmals eine vergleichende Studie zur Bedeutung von Religion und Politik im Leben von jungen Muslimen in London und stellt diese in einen Vergleich zu christlichen Jugendlichen in London, die sich im Umfeld von Pfingstbewegungen. Eine wichtige Studie, die erhellende Einblicke gibt.

Daniel Nilsson DeHanas, London Youth, Religion, and Politics. Engagement and Activism from Brixton to Brick Lane, Oxford University Press, 2016.