Seit mehr als vier Wochen sind zahlreiche Flüchtlinge in Zeltlagern auf dem Gelände der Salzburger Landespolizeidirektion untergebracht. Mittlerweile ist die Anzahl der Schutzsuchenden auf 260 Männer angewachsen. Bei einem lokalen Augenschein und mehreren Gesprächen mit KISMET Online, klagten die Zeltbewohner über katastrophale Zustände.

Während etwa Regenfälle die Unterkünfte regelmäßig überfluten, stehen den Schutzsuchenden keine Waschmaschinen oder Trockner zur Verfügung. Die Kleidung, die viele seit ihrer Flucht tragen, können lediglich in einem Waschbecken gereinigt und mit einem Föhn getrocknet werden. Das Mittagessen wird oft zu einem blanken Nervenspiel. Es dauert bis zu zwei Stunden bis die erwachsenen Männer eine kleine Portion Nudeln, Salat oder Reis erhalten. Zugleich gibt es ein Lunchpaket mit Semmeln und Käse für den Abend.

Übernachten im Freien als Strafe

Das monatliche Taschengeld von 40 Euro reicht für ein paar Kleinigkeiten, gespart wird wo es nur geht. Etwa beim Busticket und so spazieren viele Schutzsuchende quer durch die Stadt, um ein wenig Abwechslung zu erleben. Wie blank die Nerven liegen, zeigt ein jüngster Vorfall zu Beginn des Fastenmonat Ramadan. Eine Gruppe junger SalzburgerInnen brachte mehrere Packungen Datteln zur freien Entnahme. Eigentlich sollte die Anzahl für alle ausreichen. Die Männer waren derart verunsichert, ob sie eine ausreichende Portion erhalten und so kam es zu Handgreiflichkeiten.

Ein anderer Flüchtling erzählt davon, dass er zwei Wochen im Freien übernachten musste, weil er zuvor einen Tisch im Zeltlager beschädigte. Als Auslöser galt ein Streit mit Mitarbeiter vor Ort, die ihm keinen Zahnarzt rufen wollten. Von offizieller Stelle werden viele dieser Fälle geleugnet.

Gemäß der Vereinbarung zwischen dem Bund und den Ländern, muss Schutzsuchenden eine umfassende Grundversorgung gewährt werden. Darunter fallen u.a. geeignete Unterbringungen unter Achtung der Menschenwürde, medizinische Hilfe, angemessene Verpflegung sowie eine Strukturierung des Tagesablaufes. Ob und wie lange die Zeltlager in Salzburg stehen bleiben, ist weiterhin offen.

Quelle: KISMET Online

Foto: Salzburger Nachrichten /NEUMAYR, MMV