Vor drei Jahren fängt alles mit einem leeren Blatt Papier an. 2015 beschließt Carolina Sally mit ihrer Designboutique „ANIQ“ die österreichische Kulturlandschaft auf den Kopf zu stellen. Und das gelingt ihr mit nachhaltigem Erfolg. Neben ihrem Online-Shop ist seit kurzem die Nachwuchsplattform „ANIQ CREATIVE“ online. Die Design-Community ermöglicht das Vernetzen junger KünstlerInnen und dient als Starthilfe für Kreative. Im Gespräch mit KISMET Online spricht sie über ihre tägliche Arbeit, die Liebe zum Detail und zukünftige Pläne.

KISMET Online: Jedes deiner Produkte hat eine Geschichte. Erzähl uns doch kurz deine Lieblingsgeschichte?

Carolina Sally: Nun ja, meine Lieblingsgeschichte war, als eine muslimische Kundin ein Geschenk für die Kinder ihrer christlichen Freundin bestellen wollte. Sie entschied sich für den Vers aus dem Koran: „Allah ist der Beste Beschützer, und Er ist der Barmherzigste, der Barmherzigen.“ Letztendlich wurde es ein Plakat mit dem Vers als Kalligrafie und der deutschen Übersetzung darunter. Der Entwurf erhielt so ein tolles Feedback, dass ich das Motiv in verschiedenen Farbvarianten in den Shop aufgenommen habe und es zu einen der meist verkauften Bilder wurde!

Wer oder was hat dich inspiriert, ANIQ zu gründen?

Meine Familie war immer sehr künstlerisch und der Hang für „das Schöne“ hat mich daher von klein auf begleitet. An der Höheren Graphischen in Wien habe ich meine Leidenschaft für Grafik Design entdeckt. Die Idee für ANIQ hat sich im Zuge von Recherche nach muslimischen Designern ergeben. Ich habe entdeckt, dass es eine Marktlücke gibt: islamische Grußkarten, Dekoration zu islamischen Festen und Poster mit spirituellen Inhalten in zeitgemäßem Design. Und diese Lücke habe ich, zumindest im deutschsprachigen Raum, mit ANIQ gefüllt. Ich möchte mit meinen Designs und Produkten die muslimische Identität mit der europäischen Identität verbinden. Das Eine steht mit dem anderen nicht im Widerspruch.

Bild: ANIQ/Carolina Shabaiek

Bild: ANIQ/Carolina Shabaiek

ANIQ ist seit drei Jahren auf dem Markt. Bist du mit dem bisherigen Erfolg zufrieden? Was sind die die nächsten Herausforderungen?

Ich bin definitiv mit dem bisherigen Erfolg zufrieden, aber ich habe große Pläne. Ich weiß genau wohin ich mit ANIQ gehen möchte und versuche fokussiert zu bleiben. Meine nächsten Herausforderungen gehen in Richtung Großhandel mit Fokus auf Deutschland. In Österreich gibt es bereits einige Unternehmen, bei welchen man ANIQ Produkte kaufen kann. Ungefähr 80% meiner Kunden kommen allerdings aus Deutschland und bestellen online. Die Kunden wundern sich dann sehr oft, dass ANIQ im kleinen, schönen Wien seinen Standort hat.

Richten sich deine Produkte ausschließlich an eine muslimische KundInnenschaft oder siehst du dich auch als Brückenbauerin?

Meine Kunden sind definitiv nicht ausschließlich MuslimInnen. Viele bestellen personalisierte Produkte zu diversen Anlässen, sowohl für das muslimische Brautpaar, als auch für die christliche Freundin zur Geburt. Als Brückenbauerin sehe ich mich aber nicht nur in meiner Arbeit, sondern dies fließt quasi immer mit ein. Meine Familie ist zu einem Teil aus Polen und zum anderen aus Ägypten und um das in Einem zu vereinen, braucht man große Brücken.

Was liebst du an deiner täglichen Arbeit mit ANIQ?

Ich liebe die Herausforderung, die Resultate, aber vor allem den ganzen Entstehungsprozess der Produkte. Vom ersten Geistesblitz bis zum verpackten Produkt, das ich dem Paketdienst übergebe, ist es jedes Mal ein spannender Weg. Oft aber auch sehr nervenaufreibend. Meine Arbeit ist ein ständiges Auf und Ab und vor allem auch der laufende Versuch, neue Wege zu gehen. Mit der Zeit habe ich aber gelernt, dass Stillstand ein Erfolg sein kann, wenn er zur Reflexion führt oder einfach um neue Kraft zu tanken. Der Entstehungsprozess von den ersten, gebastelten Girlanden bis zur Produktion ganzer Dekorationssets kostete mich oft meinen Schlaf, aber ich liebe es!

Vielen Dank für das Gespräch!