(Gastkommentar) Manfred Maurer ist keine journalistische Größe in der kleinen Alpenrepublik. Eines der besonderen Anliegen des Journalisten des regionalen Volksblattes – nein, das ist kein Name einer neo-nationalsozialistischen Zeitung, sondern ein Blatt im Besitz der christdemokratischen Volkspartei in Oberösterreich – ist der Kampf gegen den so genannten politischen Islam. Dafür stellt er immer wieder muslimische Einrichtungen in seinem Bundesland an den Pranger.

Dieses Mal aber hat er sich den Islamophobiebericht zu Herzen genommen. Das hat insgesamt eine recht schlechte Optik. Denn Manfred Maurer scheint einerseits sprachlich nicht ganz fähig, den englischsprachigen Bericht in seiner Gänze zu verstehen. So behauptet er in seinem Artikel, Hafez hätte Nina Scholz, die irrtümlicherweise (?) als Politikwissenschaftlerin geführt wird, vermutlich aber nur ein Diplomstudium in Politikwissenschaften abgelegt hat, als islamophob gewertet wird, nur weil diese an einer Konferenz teilgenommen hatte. Dass dem nicht so ist, kann man leicht nachlesen.

Und dass der eigentliche Grund, warum sie genannt wird, jener ist, dass sie muslimsiche FeministInnen per se eine Nähe zur Muslimbruderschaft unterstellt, ist auf Seite 104 nachlesbar. Dass sie zudem genannt wird, weil sie das Kopftuchverbot der letzten Bundesregierung unterstützt hat, während sie die jüdische Kippah nicht mit einem Verbot belegt haben will, ist auf Seite 116 nachlesbar. Was soll nun islamophob sein, wenn nicht die Ungleichbehandlung verschiedener Religionsgruppen vor dem Gesetz?

Manfred Maurer hat sich vermutlich nie mit Antisemitismus und dem Phänomen des Antisemitismus bei Juden und Jüdinnen auseinandergesetzt, folgt man seiner Logik. Dass eine Kritik an Seyran Ates in Hinblick auf ihre Verflechtungen mit dubiosen Netzwerken nicht registriert wird, obwohl gerade österreichische Medien zuhauf darüber berichtet hatten, ist schwer nachvollziehbar.

Ates war bereits in diesem Zusammenhang im Islamphobiebericht 2017 von dem Autor des Österreich-Berichts Farid Hafez von der Georgetown University und der Universität Salzburg kritisiert worden. Auch, weil sie nach Ansicht von Hafez mit Forderungen wie der Einführung einer europäischen Liste von anerkannten islamischen Einrichtungen, die mit einem Gütesiegel auszuweisen wären, einen McCarthyismus nach Europa bringe. Aber all das übersieht der Journalist Manfred Maurer. 

Oder will er es übersehen? Denn anstatt die online abrufbare Fördersumme der EU von 126.951 Euro zu nennen, meint er, dass der ÖVP-Europaabgeordnete Lukas Mandl eine Anfrage an die EU-Kommission stellen wolle. Da stellt sich die Frage, ob der Journalist nicht schon im Auftrag der im Islamophobiebericht hart rangenommenen ÖVP-FPÖ-Regierung schreibt, als dass er guten Journalismus betreibe. Dass er seine Darstellung zudem als “Analyse” verkauft und diese anschließend von der Gratiszeitung ‘Heute’ als solche herangezogen wird, lässt nichts Gutes vermuten.

Ein Gastkommentar von Ferdinand Lughofer