Der von einer Gruppe von SozialwissenschaftlerInnen herausgegebene Sammelband „Knowledge, Normativity and Power in Academia“ untersucht die Beziehung zwischen Wissen, Normativität und Macht im Zusammenhang mit Wissensproduktionen in den Sozial- und Geisteswissenschaften. Die akademische Landschaft wird dabei als Ort verstanden, der bereits Teil einer hegemonialen normativen Ordnung darstellt, gleichzeitig aber auch Kritik und Widerstand erlaubt. Der Sammelband gilt als Versuch, innerhalb so wie von Außen auf das akademische Feld kritisch zu intervenieren.

Aisha-Nusrat Ahmad, Maik Fielitz, Johanna Leinius, Gianna Magdalena Schlichte (eds.), Knowledge, Normativity and Power in Academia, Campus, 2018.

Der Historiker Sebastian Gottschalk beleuchtet in seiner Arbeit „Kolonialismus und Islam. Deutsche und britische Herrschaft in Westafrike (1900-1914)“ das komplexe Geflecht von kolonialer Herrschaft und islamischen Gesellschaftsstrukturen in den muslimisch geprägten Gebieten Kamerun und Nordnigeria. Dabei thematisiert er insbesondere das Zusammenspiel von islamischen Gesellschaftsstrukturen, europäischen kolonialen Bildern über den Islam und die Einbindung von muslimischen Eliten bzw. den Widerstandsbewegungen durch den kolonialen Herrschaftsapparat. Am Beispiel der globalen Pilgerfahrt zeigt er die Auswirkungen der Kolonialpolitik auf diese religiöse Praxis auf.

Sebastian Gottschalk, Kolonialismus und Islam. Deutsche und britische Herrschaft in Westafrike (1900-1914), Campus, 2017.

Der Historiker und Islamwissenschaftler Chanfi Ahmed zeigt in seinem Buch „Preaching Islamic Revival in East Africa“, dass das Feld der Da’wah weitaus komplexer ist, als gemeinhin angenommen wird. Entgegen den Behauptungen vieler Politologen zeigt Ahmed auf, dass es nicht nur transnationale Bewegungen sind, die das Feld der Da’wah befruchtet haben, sondern dass es insbesondere lokale Auseinandersetzungen sind, die unterschiedlichste muslimische AkteurInnen dazu bringen, dieses Feld der Da’wah zu beghen.

Chanfi Ahmed, Preaching Islamic Revival in East Africa, Cambridge Scholars Publishing, 2018.

Der Historiker David A. Moss bietet mit seiner mehr als 700 Seiten umfassenden Analyse „Democracy. A Case Study“ nicht nur eine Einführung in die Geschichte der US-amerikanischen Demokratieentwicklung. Das Buch bietet in 19 Kapiteln eine Diskussion über zentrale Aspekte und Streitpunkte in der Frage von Demokratie in den USA. Es liefert mit dieser historischen Perspektive eine Möglichkeit, Krisen von Demokratien zu reflektieren und zeitgenössissche Probleme aus der Sicht ähnlicher Erfahrungen zu diskutieren. Insbesondere Hilfreich als Lehrbuch!

David A. Moss, Democracy. A Case Study, Harvard University Press, 2017.

Der US-amerikanische Politikwissenschaftler Osamah F. Khalil an der Syracuse University bietet mit seinem hervorragenden Werk „America’s Dream Palace. Middle East Expertise and the rise of the National Security State“ eine umfassende Analyse zur Herausbildung und Entwicklung akademischer Expertise in den USA zum sogenannten Nahen Osten seit dem Ersten Weltkrieg. Er zeichnet nach, wie sehr sich die Wissensproduktion in verschiedenen Phasen – Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg, Nationale Sicherheitspolitik, Beginn des Kalten Krieges, Bildungsreform, Privatisierung von Bildung und der Kampf gegen den Terror – verändert hat und heute im Wesentlichen regierungsnahe Denkfabriken das Wissen über den sogenannten Nahen Osten prägen.

Osamah F. Khalil, America’s Dream Palace. Middle East Expertise and the rise of the National Security State, Harvard University Press, 2016.

Die Historikerin Neguin Yavari präsentiert in ihrem neuesten Werk „The Future of Iran’s Past. Nizam al-Mulk Remembered” eine Untersuchung der Rezeption des berühmten Wezir, der de facto über das damalige von den Seldschuken beherrtschte Persien regierte. Als Kennerin der Person und der Literatur der Fürstenspiegelt zeigt uns Yavari, welche Bedeutung auch heute noch diesem großen Denker und Lenker seiner Zeit zukommen kann.

Neguin Yavari, The Future of Iran’s Past. Nizam al-Mulk Remembered, Hurst, 2018.

Die beiden Politikwissenschaftler Emmerich Talos und Florian Wenninger präsentieren in ihrem Werk „Das austrofaschistische Österreich. 1933-1938“ eine Gesamtentwicklung des austrofaschistischen Systems, welches die Erste Republik abdankte, bis zum Anschluss 1938 vor. Darin werden die wichtigsten Akteure, Tätergruppen, interessensgeleiteten Um- und Neugestaltung wichtiger Politikbereiche wie auch die Beziehungen zum italienischen und deutschen Faschismus dargelegt. Die österreichische Entwicklung wird zudem in einen gesamteuropäischen Kontext gestellt und insbesondere die Vorreiterrolle des italienischen Faschismus aufgezeigt.

Emmerich Talos, Florian Wenninger, Das austrofaschistische Österreich, 1933-1938, LIT, 2017.