Timo F.: Neonazi, Arena Verlag, 9,99 EUR

Der 14 jährige Timo F. nimmt die LeserInnen in dem Buch „Neonazi“ auf einen Weg ins rechte Milieu mit und zeigt auf einfache Art und Weise, welche Bedingungen unter anderem junge Menschen dazu verleiten, „Schutz“ und „Anerkennung“ bei rechtsradikalen Gruppierungen zu suchen.

Auch wenn sich diese beiden Begrifflichkeiten zu Beginn nicht mit der Ideologie des Nationalsozialismus verbinden lassen, wird der Leserschaft schnell klar, dass im Fall von Timo F. nicht zuletzt der fehlende familiäre Halt und der Wunsch nach Wertschätzung zu diesem fatalen Entschluss geführt haben.

„Ich fühlte mich unendlich alleine auf der Welt. Ein störender Fremdkörper in ihrer kleinen glücklichen Familie. Wie diese fetten Brummer, die immer so lästig um einen herumschwirrten und bei denen man froh war, wenn sie irgendwann tot auf der Fensterbank lagen. Ich war der Brummer.“ [Timo F., S. 32]

Eine Mutter, die sich von einer Beziehung in die andere stürzt, ein Kind nach dem anderen ‚zeugt’ und den Kindern keinerlei Zukunftschancen bieten kann beziehungsweise möchte, unterstützt zu Beginn den euphorischen ‚Nazi-Werdegang’ ihres Sohns; schließlich hatte auch ihr Großvater ihr beigebracht, ein braves Nazimädchen zu sein.

Schon bald stellt Timo F. jedoch fest, dass die anfängliche Anerkennung der Mutter schneller als ihm lieb ist schwindet und erneut Erniedrigung und Desinteresse folgen.

„Meine Mutter knallte ihre Hand auf den Tisch. ‚Ach, hör doch auf! Du hast dich von dem Typ belabern lassen. Ein richtiger Wendehals bist du. Erst der große Nazi, und wenn’s ungemütlich wird, ziehst du den Schwanz ein.’“ [Timo F., S. 202]

Fazit

Das Buch ist ein autobiografischer Roman und ermöglicht den LeserInnen einen kleinen Einblick in die Gedankenwelt eines Jungen, der in die rechte Szene abrutscht. Timo F. zeigt, wie einfach es ist, Halt und Zuflucht bei derartigen Gruppierungen zu finden, wenn man von Hoffnungslosigkeit geleitet wird.
Gerade die einfache und nüchterne Schreibweise ermöglicht Jugendlichen einen leichtverständlichen Einstieg in die immer präsenter werdende Thematik.

Nichtsdestotrotz muss hervorgehoben werden, dass das Buch für 13/14 jährige LeserInnen vielleicht nicht aufrüttelnd genug sein mag, da Timo F. glücklicherweise „nicht“ zu jenen „Nazis“ zählte, die bewusst zu Gewalt und aktivem Hass aufriefen.

Auf der Seite des Arena Verlags finden sich Zusatzmaterialien für LehrerInnen und InteressentInnen, mit denen der Stoff vertieft werden kann. [https://www.arena-verlag.de/sites/default/files/neonazi_lehrermaterial.pdf]

Rezension von Mag. Saime Öztürk